GEFUNDEN: Hirn reagiert auf Macht.

Kennen Sie diese Momente, da äussern Sie einem Familienmitglied, einer Freundin oder einem Kollegen Ihre Gedanken, geben einen Rat oder Tipp, der kommt dann an oder auch nicht, verpufft aber ziemlich sicher im nirgendwo.

Nach einiger Zeit erzählt ihnen dieselbe Person, andächtig und mit offensichtlich geklärtem Geist, wie ihr eine fremde, jedoch äusserst kompetente und erfolgreiche Person, den durchschlagenden Satz gesagt hat. Und Sie? Sie denken sich «Hammer, das gibts doch nicht!». Es ist nämlich genau dasselbe, was Sie gesagt haben!

Mitunter hat es Ihre Bekannte aus einer TV Sendung oder ist über einen Zeitungsartikel gestolpert, egal, auf jedenfall musste zuerst eine weiss gekittelte, oder kravattierte, angesehene und renommierte Persönlichkeit kommen, bevor die Glöcklein klingeln.

Komische Sache ist das: Je näher man einer Person steht, umso weniger Gewicht hat deren Meinung oder Ratschlag. Je unbekannter die Person ist, umso glaubhafter wiegt die Aussage.

Uns Therapeuten ist das Phänomen auch nicht unbekannt; Da geb ich einem Patienten einen Ratschlag, vielleicht, dass er mehr trinken soll oder irgendwas, und der Patient murmelt: «Ja, das hat mir meine Frau auch schon gesagt!» Oder, wie hab ich mich schon gewundert, wenn jemand hunderte Kilometer und ebenso viel Geld, zu irgendeinem Guru fährt, bar, ohne Quittung und zögern bezahlt, nur um mit einem Ratschlag nach Hause zu kommen, den ihm jeder Kumpel bei einer Flasche Wein auch hätte geben können (oder ein anständiger Therapeut in der Nähe).

 

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Quelle: NZZ Sonntag, 28.7.13

 

Ja, so ticken wir! Nur finde ich das Phänomen, wie oben im Artikel beschrieben, bei einem Politiker oder “mächtigen Person” noch viel delikater. Denn Macht wird in erster Linie für sich selbst sorgen.

Ich frag mich natürlich auch, weshalb das so ist, weshalb der Mensch so tickt. Ich glaube nicht, dass dies der Hergott so beabsichtig hat. Es liegt wohl eher an unserer Vergangenheit, sowas brennt sich ein auf der Festplatte. Über viele Jahrhunderte war es der Mensch gewohnt auf die Obrigkeit zu hören. Er konnte gar nicht anders, wollte er nicht an Leib und Leben bedroht sein. Früher waren es die Vögte und die Kirche, heute die Politiker und die Behörden.

Die Zeit ist reif um sich aus solchen Prägungen zu lösen.

Wir können die Festplatte gerne neu beschreiben.

Nur wir selbst haben es selbst in der Hand, ob wir eine Folge unserer Biologie sind, also archetypisch unbewusst reagieren wie zu Urzeiten, oder ob wir aktiv und bewusst selbst steuern, was wir zu denken gedenken.

Die Zeit ist reif für selbstständig denkende Menschen.

 

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