DIES UND DAS: Die Rose von Jericho

Rose_von_jerichoEigentlich schaut sie ja schon seltsam aus, die Rose von Jericho.

Ich kann mich gut an meine Kindheit erinnern, als wir heimlich im Estrich spielten, dabei Kisten und Schachteln durchwühlten, auch jene mit den Weihnachtssachen. Dabei kam uns dieses trockene Etwas in die Finger.

Das warfen wir dann ein bisschen rum, schauten aber schon, dass es wieder in der richtigen Schachtel war, wenn wir vom Dachboden kletterten.

Dann, jährlich an Weihnachten legte meine Mutter das trockene Knäuel in eine Schale mit Wasser und wir beobachteten gespannt das Wunder, das da abging; Wie die Rose von Jericho aufs Neue zum Leben erwacht.

Schon als Kind faszinierte mich vorallem der Name, denn eine Augenweide ist sie ja nicht wirklich. Auch nicht in grünem Zustand. Mit einer Rose hat sie so wenig zu tun, wie ein Apfel mit einer Banane. Mal davon abgesehen, dass beides Früchte sind.

Als die Jungfrau Maria von Nazareth nach Ägypten floh, soll sie die Pflanze gesegnet und ihr so ewiges Leben gegeben haben. Meine Mutter sagte uns Kindern, dass sie Glück bringe, und Frieden, und alles miteinander. Das konnten wir natürlich immer gebrauchen. Und so lege auch ich die Pflanze jedes Jahr in eine Schale mit Wasser. Es gehört dazu wie der Adventskranz auf dem Tisch.

Heute habe ich mich gefragt, wie sie es schafft, das ganze Jahr in trockenem Zustand zu sein und dabei nicht einzugehen? Gewaltige Leistung!

Sie wird in der Wüste vom Wind davongetragen, zusammengerollt trudelt sie über den Wüstensand und wenn sie zu Wasser kommt, ergrünt sie wieder von neuem. Ergrünt, nicht erblüht, denn eine Blüte habe ich nun aber gar nie gesehen!

Wenn ich kurz recherchiere, staune ich, was für Bräuche um die Pflanze existieren, welche Kräfte ihr zugesprochen werden. Schön finde ich das mit der Geburt: Vom 16. Jahrhundert ist der Glaube überliefert, dass sie, zum “Erblühen” gebracht und neben ein Kindbett gestellt, die Geburt erleichtert und Kind und Mutter ein langes Leben verheißt.”

Heute werde dieser Brauch wieder in Geburtshäusern praktiziert. Wenn die Wehen einsetzen wird die Pflanze bewässert und ist das Kindl da, strahlt sie im schönsten Grün und verheisst so dem Kind ein glückliches, gesundes Leben.

Ein fortwährender Zyklus des Loslassens und Neuwerdens.

Die Wiederauferstehung der Planze ist kein biologischer, sondern ein physikalischer Effekt. Die Pflanze ist also zwischenzeitlich nicht wirklich tot, sie zieht ihre Wurzeln aus dem Erdreich zurück, wenn keine Nährstoffe mehr vorhanden sind, dann wird sie vom Wind aus ihrer Verankerung gerissen.

Anscheinend verwenden wir hierzulande meist die “unechte” Rose vom Jericho (Selaginella lepidophylla) , ein Moosfarngewächs aus den Wüsten von Texas, Arizona und Mexiko. Nicht jene, die in den Wüstengebieten von Israel, Jordanien, auf dem Sinai und Teilen Nordafrikas beheimatet ist (Anastatica hierochuntica).

Moosfarngewächse, wie die unechte Rose von Jericho (Selaginella lepidophylla) sind wechselfeuchte Pflanzen. Diese gleichen ihren Wassergehalt weitgehend dem Feuchtigkeitszustand ihrer Umgebung an (Nebel, Tau, Regen). Dabei können sie ihre Stoffwechselaktivität derart stark einschränken, dass die Zellen nicht absterben. Eine gute Voraussetzung um sich ständig wechselnden Umweltbedingungen (wie Trocken- und Feuchtperioden) anzupassen.

Siehe wechselfeuchte Pflanzen: http://de.wikipedia.org/wiki/Wechselfeuchte_Pflanze

Pflanzen sind unglaubliche Lebenskünstler. Wenn wir das so einfach könnten? Wenn uns nichts mehr satt macht, ich meine, wenn es nichts mehr zu erfahren oder zu lernen gibt, wir uns dann einfach zusammenkugeln und weiterziehen, und erst wieder entfalten, wenn es spannend wird? ;-)

Lesetipp:

www.rose-von-jericho.de

www.geo.de

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