THERAPIE: die “SollenMüssen”-Stolperfalle

怒る女性Mein Auto war zur Reparatur. Wo ich es abhole, erklärt mir der Garagist, seine getane Arbeit. Ich lobe seine Diplomatie. Er sagte nicht: «du musst das Auto mehr fahren!», sondern erklärt mir, wie Standschäden zustande kommen.

Der Rest war mir selbst klar.

Ich fühlte mich dabei nicht gemassregelt. Ich fühlte mich informiert!

Wenn wir unseren Klienten Tipps geben, fallen wir häufig in den «Tu dieses und lass jenes» – Modus:

“Sie sollten sich mehr bewegen!.”

“Sie müssen mehr Wasser trinken!”

Das mag bei simplen Tipps noch durchgehen, geht es aber näher an die Persönlichkeit, stösst man auf Widerstand.

Weg von ein Parolen, es schalten nicht alle gleich.

Vor Jahren entschied ich mich für eine Standortbestimmung und besuchte einen Coach. Er arbeitete mit einer Methode, die darauf zielt, es aus der Perspektive des Gegenübers anzuschauen. Um das zu verdeutlichen, stellte er Playmobilfigürchen auf den Tisch; “Jetzt müssen Sie sich in die Situation des Gegenübers reinfühlen”. Puah! da komm ich hierher um mich zu sortieren und was MUSS ich? Mich in meine Umgebung einfühlen? Was tu ich denn die ganze Zeit? Genau das war mir in dem Moment scheissegal!

Seine Methode mag ja recht sein. Doch ich fühlte mich nicht erfasst und ahnte, dass er ohne Abweichungen nach Leitfaden arbeitet.

Mein Trotz lugte augenblicklich hervor! Ich wär ihm am liebsten aus der Praxis marschiert.

Damit unser Klient nicht “dicht” macht, erfordert das eine kreativere Wortwahl. Es bringt nichts, wenn er sich ermahnt fühlt. Das bringt jeden unter Druck und lenkt vom wahren Ziel ab.

Statt Regeln predigen, Lösungen liefern.

Fruchtbarer sind Ermunterungen und Vorschäge, die dem Patienten wirklich etwas nützen. Solche, die er in seinem Alltag umsetzen kann: «Ich weiss, dass es manchmal schwierig ist, genügend zu trinken. Wenn sie versuchen, an ihrem Arbeitsplatz immer ein Glas Wasser auf den Tisch zu stellen, fällt es ihnen leichter und sie trinken mehr, ohne es zu bemerken.»

Wir können den Zuhörer und Leser an seine Gedanken, Erfahrungen oder Verhaltensweisen hinführen. Auch wenn man nicht zu den geborenen Diplomaten gehört; Alternative Formulierungen gibt es:

Es empfiehlt sich …

ein Versuch wert ist es …

Gute Erfahrungen macht man …

Es hat sich gezeigt, dass …

Was halten sie von der Möglichkeit,  …

Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf …

Laut einer Studie, … ;-)

Ich mache gute Erfahrungen …

Eine gute Unterstützung ist es, …

Könnten Sie sich vorstellen, ….

Es ist ja nicht so, dass Sie die Dinge umschreiben, sich davor drücken, eine klare Meinung zu äußern oder versuchen, gleichzeitig allen möglichen Blickwinkeln gerecht zu werden.

Der Klient kennt ihre Haltung, er kennt ihre Empfehlung, er kann sie zur Kenntnis nehmen – aber er entscheidet selbst.

Dann wird ein Sollen und Müssen überflüssig.

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