PFLANZENPORTRAIT: Sie darf ruhig etwas stachelig sein – die Mariendistel

die Mariendistel (Carduus marianus)

die Mariendistel (Carduus marianus)

Schauen Sie mal diese Blüte an. Innen der Blütenkopf, aussen die Stacheln. Überhaupt ist das ganze Grün stachelig. Sie schützt sich vorsorglich. Vor Insekten, die da nichts zu tun haben, vor Tieren die sie fressen, vor anderen, die sie einengen und zerdrücken.

Die Pflanze weiss, was sie braucht um ihre schönste Frucht hervorzubringen.

Dann das violett der Blüte. Violett ist in der Pflanzenwelt ein sicheres Beweismittel für die Wirkung auf die Leber. Damit wäre das Wichtigste zur Mariendistel schon gesagt:

Schutz vor Toxinen, besonders von typischen Lebergiften wie Medikamente, Umweltgifte, Alkohol, u.a.m.

Regeneration, Neubildung von Leberzellen.

Diese Eigenschaften verdankt die Pflanze dem Wirkstoff Silymarin (Silibinin). Der in den Früchten (Samen) der Pflanze enthaltene Stoff gehört zu den am besten untersuchten Pflanzenwirkstoffen überhaupt. Er schützt die Zellmembran der Leber, so dass keine Toxine eindringen und in den Kreislauf der Leber gelangen. Sein zweiter Job, die Neubildung von Leberzellen, geschieht durch zwei Faktoren. Einerseits gilt der Wirkstoff als Antioxidans, diese schaffen schädliche Stoffe aus den Zellen. Andererseits hat er einen stimulierenden Effekt auf die Ribosomen in den Zellen. Diese sind verantwortlich für die Proteinsynthese, das heisst für die Bildung neuer Leberzellen.

Deshalb wird eine Carduus marianus Tinktur nicht nur therapeutisch, sondern auch vorbeugend eingesetzt. Wer also massenhaft Medikamente schluckt, viel Alkohol trinkt oder anderen exogenen Giften ausgesetzt ist, der tut gut daran, parallel ein Mariendistelpräparat einzunehmen.

Da, wie bereits erwähnt, Silymarin sehr gut erforscht ist, nutzt ihn auch die klassische Medizin für verschiedene Präparate. Der Wirkstoff ist derart potent, dass es meines Wissens der einzige Weg ist, einer Vergiftung mit Knollenblätterpilz beizukommen (Legalon®).

Abgrenzung, Schutz, Individualität

«Die Pflanze weiss, was sie braucht um ihre schönste Frucht, die Blüten, hervorzubringen.»

Das können Sie durchaus auch im übertragenen Sinne verstehen!

Das Mariendistel-Wesen hilft dem Menschen, der sich vor Themen, die ihn emotional berühren, besser abzugrenzen. Der Lebertyp neigt zur Melancholie und Depression. Vieles geht ihm zu nahe. Nähe erzeugt auch grenzenlose Hingabe, was wiederum zu Machtansprüchen durch andere führt.

So fördert die Mariendistel die Fähigkeit, sich gegenüber emotionaler und physischer Ausbeutung, gegenüber Angriffen und Manipulationen angemessen zu behaupten. Sie unterstützt die Wahrung der eigenen Persönlichkeit.

Wenn man sich schlecht abgrenzen kann, neigen wir zu zwei gegensätzlichen Reaktionen. Einerseits die Unfähigkeit Nein zu sagen, andererseits durch ein aggressives Verhalten (Stacheln rauslassen). Wir sind empört über die Grenzüberschreitung des anderen, empfinden es als respektlos und fühlen uns nicht erfasst.

Durch die Pflanzenwelt lernen wir in Sachen Menschenkenntis enorm dazu. Zynische oder aggressive Menschen, sind nie einfach von Grund auf so. Vielleicht haben sie nie gelernt, ihren inneren, verletzlichen Kern zu schützen? Oder haben sich oft zuviel gefallen lassen, nach dem Motto: Schnauze zu und durch.

Das Einsatzgebiet der Mariendistel ist sehr vielfältig und ergibt sich durch das Verständnis der Wirkung ihres Inhaltsstoffs Silymarin.

In erster Linie sind es alle Verdauungsbeschwerden und alle Folgen einer Leberbeeinträchtigung: alle Hautleiden, Augenerkrankungen. Begleitend bei Muskelbeschwerden (Leber!) und rheumatischen Erkrankungen.

Nicht vergessen, die Wechseljahre

Wenn wir den Bogen noch etwas weiter spannen, gehören auch die Wechseljahre dazu. Die Menstruation wirkt reinigend. In den Wechseljahren entfällt diese natürliche Ausleitung und wird zum Teil durch die lästige Schwitzerei kompensiert. Die Leber muss Hormone wandeln und abbauen. Viele Frauen werden überempfindlich auf Gerüche, mögen gewisse Nahrungsmittel nicht mehr schmecken sich selbst durch die veränderte Ausdünstung nicht mehr riechen.

Das genau in dieser Zeit die Frau sehr empfindlich ist, verwundert nicht. Manche Frauen neigen dazu, plötzlich vermehrt Alkohol zu trinken. Dafür sind nicht alleine die Hormone verantwortlich! Ich kenne kein anderes Organ, das bei Schwächung oder Erkrankung derart die Psyche beinträchtig. Depressionen haben IMMER mit der Leber zu tun. Leberbeschwerden hauen arg auf die Psyche, auch bei sonst ausgeglichenen Menschen. Sie sehen, ein Teufelskreis, wenn noch Psychopharmaka dazukommen. Die mag die Leber nämlich genauso wenig.

Frauen in den Wechseljahren müssen sich in ihrer Persönlichkeit oft ganz neu sortieren. Was man bisher geschluckt oder toleriert hat, geht nun nicht mehr. Es gilt die Grenze klar zu markieren: «Werd nicht frech, ich bin kein kleines Mädchen mehr! Oder, Meine Lebensaufgabe besteht nicht einzig und allein im Dienen! Jetzt komm erst mal ich!»

Diese Ich-Kraft stärkt Carduus marianus. Also denken Sie bei Wechseljahren nicht nur an die Silberkerze, Frauenmantel und Johanniskraut. Denken Sie auch an die Leber.

Die Mariendistel wird immer begleitend (palliativ) eingesetzt und über längere Zeit eingenommen. Wir haben die Medikamenteneinnahme erwähnt, auch Alkohol- oder Drogenprobleme, oder, jetzt halten sie sich fest; als begleitende Massnahme bei Chemotherapie. Übrigens gibt es Studien, die einen positiven Effekt auf die Fettleber  und Leberzirrhose und eine anticarcinogene Wirkung (v.a. bei Metastasenbildung) von Silymarin nachgewiesen haben. Ich find jetzt dazu aber keine relevante Studie, deshalb streich ich den Satz besser wieder.

Und all das, ohne nennenswerte Nebenwirkungen! Und wenn doch, dann ist überdosiert worden. Das führt zu den selben Beschwerden wie jene, die die Pflanze eigentlich heilt: Juckreiz, Übelkeit, Kopfschmerzen und abführende Wirkung.

Eine grandioses Pflanze, die Mariendistel.

die Wirkungsweise von Silymarin schön erklärt in diesem Shema, St. 8, 9, und 13

Eine tolle Zusammenfassung von Dr. Nachtigall

 

Mariendistel im Trio mit Ginko und Johanniskraut. Kopf, Leber und Nerven, rundum geschützt! ;-) Foto von Gisella Steiner

Mariendistel im Trio mit Ginko und Johanniskraut. Kopf, Leber und Nerven, rundum geschützt! ;-) Foto von Gisella Steiner

2 Kommentare fuer “PFLANZENPORTRAIT: Sie darf ruhig etwas stachelig sein – die Mariendistel

  1. eine wunderbare Pflanze, sie wächst in meinem Garten wie ein Baum. Wie sie den Weg dahin fand…..keine Ahnung. Kann sein das ich sie gebraucht habe? Man sagt doch immer das was der Mensch braucht, wächst in seinem Garten ohne sein dazu tun. Ich lasse sie wachsen diese schöne stachelige fast Mannshohe Pflanze. Schicke dir eine Foto von meinem Riesen. :)
    Danke für Deine info über die Mariendistel

    • Ja, Gisella, schick mal. und auch gleich die Samen herunterwehen lassen. Die darf sich auch bei mir ansiedeln. die nerven alle rundherum, na, fast alle, auch wenn sie nichts tun, haha

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