ERNST GEMEINT: Wenn das Wörtchen ‘wär’ nicht wär …

Wenn das Wörtchen Wär nicht wär?

Oder wüsste, könnte, wollte, hätte, müsste, dürfte, und auch wollte!

Mir passen die Wörter, sie kommen mir oft gelegen. Und weil es diese Wörter gibt, kann ich es gelassener sehen!

Klar, wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich ganz bestimmt Vieles machen. Dies und das, was mich grad so gluschtet und im Kopf rumgeistert. Nicht zu sprechen von meinen ganz besonderen Plänen, Träumen und Projekten.

Wenn ich mehr Talente hätte, würde ich dieses dann leben, das wäre einfach, ich hätte ja das Talent.

Und der Mut würde dann auch da sein. Das ewige Gehedder mit dem Selbstvertrauen wäre dann gelöst.

Wenn ich wollte, könnte ich alles machen, wonach mir der Sinn steht. Menschen mit Talent, Mut und Selbstvertrauen, dürfen eigensinnig sein. Die Leute strömen zu ihnen. Mit solchen Qualitäten wäre ich auch endlich erfolgreich!

Dann hätte ich auch mehr Geld. Ich wäre logischerweise reich!

Und wenn ich reich wäre, könnte ich mir dies und das leisten und müsste mir um Vieles keine Sorgen machen. Die Sorgen wären dann schlagartig weg!

Und ohne Sorgen, dürfte man richtig Spass haben!

Ich müsste nicht mehr arbeiten gehen, mir ständig sagen lassen, was ich zu tun hätte und wäre nicht mehr so abhängig.

Ich müsste nicht mehr mehrheitlich den Mund halten und wäre endlich eine richtige Persönlichkeit!

Ja, vielleicht wäre das alles schön, aber ich weiss nicht so recht. Hmmm, ein bisschen unter Druck komm ich schon bei dieser Vorstellung … .

Meine Freundin sagt,

wenn Ihre Beziehung nicht in die Brüche gegangen wäre, wäre sie bestimmt heute noch glücklich verliebt. Dann hätte sie jetzt nicht diese Depressionen und könnte endlich vorwärtsgehen. Aber weil ihr ja auch alles weh tut, dürfe sie nicht mal stehen, geschweige denn gehen. Wenn sie gesund wäre, täte sie alles wieder und müsste nicht ewig verzichten.

Dazu meint meine andere Freundin, dass sie das verstehe, denn auch sie würde mit ihrem Mann das Leben viel mehr geniessen, wenn er nicht so einen Chef hätte.

Dann hätte er auch die Kraft, einen anderen Job zu suchen. Mit einem neuen Job würde die Lebensfreude zurückkommen, er wäre nicht mehr so empfindlich, könnte aufmerksamer sein und würde sie (meine 2. Freundin) mehr lieben! Was sich dann auch sofort zeigen täte.

Ja, so haben wir viele aufbauende Gespräche und lösen unsere Gefühle.

Ich find ihn schon noch ganz praktisch, den Konjunktiv II. Wenn es nach mir ginge, dürften ihn die Sprachfritzen niemals abschaffen!

Wenn ich immer kann, statt könnte. Wenn ich darf, statt dürfte, wenn ich weiss, statt wüsste! Da käme ich ganz schön in Stress!

Da hab ich ja keine Wahl mehr!

Was, wenn auf einmal alles so klar ist, so eindeutig? Keine Ausflüchte mehr, keine Hintertürchen? Dann sind wir doch hoffnungslos verloren! Zudem, wie erklären wir dann die vielen Erklärungen für die Vergangenheit, wie die üppigen Varianten für die Zukunft? Wie die verwirrende Situation der Gegenwart.

Solche Gespräche sind doch auch ganz lustig!

Smal Talk Gespräche

Ein Beispiel; Da steht man bei einer Einladung rum, Champagnerglas in der Hand, ein bisschen Smalltalk.

„Wenn das Wetter besser wäre, würde ich auch mehr Sport treiben“. Aha! – Irgend Jemand schafft es dann meist, den Faden aufzunehmen, ohne unhöflich das Thema zu wechseln. – „Ja, dann könnte man auch endlich wieder mehr im Garten sitzen“. „Ach ja, übrigens, wir wären gerne mit Euch an die Gartenmesse gefahren, wenn wir euch telefonisch erreicht hätten und mein Mann nicht krank geworden wäre.“ – ….

Ja, so schleppen sich dann diese breiigen Gespräche dahin. Nix Verbindliches, nix Wirkliches, alles offen, fliessend.

Ich frag mich zwar schon, ob der Herrgott auch so gesprochen hat, als er die Welt erschaffen hat? Hat sich das dann so angehört?;

«Wenn ich mehr Zeit hätte, mehr Ideen und ich mir Mühe geben würde, könnte aus meiner Schöpfung schon noch was Gscheites herausschauen.» Klick

 

 

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