WERBUNG: Initiativtexte? Ja klar, aber wennschon, dennschon!

Fotolia_60944105_XSJeder Selbstständige unter Ihnen, besonders wenn sie schon ein paar Jahre “unterwegs” sind, wird mir beipflichten; Immer wieder mal flattern Anfragen ins Haus, bzw. auf den Bildschirm. Man will etwas von Ihnen.

Beim Wort Kooperation roll ich schon mal mit den Augen. Das ist nicht gemein gemeint, aber nach so vielen Jahren ist mein Fazit nicht grade toll. Meist ist die Hilfeleistung einseitig. Ich soll was weiterempfehlen, über was schreiben, vernetzen oder bewerben. Also ICH soll was tun!

Wenn dann noch einer schreibt, «Ich bin gespannt was Sie mir vorschlagen», na ja … ! Soll jetzt ich meine Hirnwindungen anregen und das Angedachte fertig garen?

Jetzt geht es hier aber nicht primär um das Thema Kooperation, das hatten wir hier schon mal Vorsicht Trittbrettfahrer, sondern wie solche Texte daher kommen. Sie sollen auf fruchtbaren Boden fallen. Ist ja nicht so, dass es sie nicht gibt: die gute Zusammenarbeit. Zudem sind vereinzelte Projekte, ein Engagement usw. ganz förderlich, für beide Seiten und in jeder Beziehung.

Drehen wir den Spiess um. Sie sind jetzt der-oder diejenige, die Ihre Dienstleistung mit dem Angebot eines andern verknüpfen möchte.

Super, wenn Sie die Initiative ergreifen!

Aber bitte nicht halbbatzig.

Was Sie jetzt nicht tun sollten: Sie haben grad eine zündende Idee, gehen hin und hauen Ihre Gedanken in die Tasten. Mal schauen wie der andere reagiert, Details lassen sich später klären. Oder noch schlimmer; Sie nehmen das Telefon und fragen, ob Sie mal vorbeikommen könnten, sie hätten da was überaus Wichtiges das Sie gerne vorstellen möchten.

Niemand wartet auf ihren kreativen Schub! Er wird sich zu Recht fragen; Wollen Sie mit mir plaudern, was verkaufen oder um was geht es überhaupt?

Niemand der mit seinem Business ausgelastet ist, wird darauf gleich anspringen.

Es liegt also nicht an ihrer Idee oder Absicht, es liegt an ihrer konkreten Vorbereitung:

Sprechen Sie Klartext

Formulieren Sie ihre Absicht genau und nennen Sie die Dinge beim Namen.

Wollen Sie verlinkt werden, etwas verkaufen, weiterempfohlen werden, Ihre Person oder Dienstleistung einbringen?

Es genügt nicht, seine Leistung oder ein Produkt in den grössten Tönen zu beschreiben und dann… puff, kommt nichts mehr. Niemand wird nachhacken: «Und jetzt? Schön und gut, aber was wollen Sie nun genau?»

Schreiben Sie keine Ideen, die nicht ausgereift sind. So nach dem Motto, das können wir später gemeinsam stricken. Der Angesprochene möchte (grundsätzlich) nur “Ja” oder “Nein” sagen, er hat keine Lust ihr Projekt fertig zu denken. Man möchte vielleicht diplomatisch sein, nicht mit der Tür ins Haus fallen. Aber das geht auch, wenn man Klartext spricht. Es versteht sich von selbst, dass der Angesprochene sofern er Interesse hat, auch ein Wörtchen mitreden wird.

«ich bin gespannt auf ihren Vorschlag»  Jetzt soll ich mich auch noch anstrengen? Mach gefälligst DU mir einen Vorschlag!

«Wenn ich auf ihr Interesse gestossen bin …melden Sie sich bitte unter Tel.Nr. …. bei einem gemeinsamen Gespräche können wir die Details klären.»  Was glaubst wie wichtig mir das ist, dass ich mich auch noch extra melde?

Lassen Sie die Floskeln!

  • «Ich bin zufällig auf ihre Website gestossen …»
  • «… über ihre Website gestolpert.»
  • «… im Branchenverzeichniss entdeckt.»

Wie bitte? Zufällig? Sprechen Sie Klartext: «bei meiner Recherche …, auf der Suche nach einem Vertriebspartner/Seminaranbieter ….»usw.

Überschütten Sie nicht mit Anhängen

  • «In der angehängten PdF-Dokumentation erfahren Sie mehr zu meinen Leistungen/ zum Produkt.»
  • «Sehr geehrter Herr Huber. Ich veranstalte Seminare zum Thema … , das für Sie interessant sein könnte. Klicken Sie hier für mehr Details: www.link.ch»

Jeder kennt die täglich E-Mail Flut. Man hat weder Zeit noch Lust allerlei Anhänge zu lesen. Besonders dann nicht, wenn im Haupttext (siehe oben) die Absicht nicht klar ist. Wenn man erst was tun muss, um Informationen einzusehen, filtern Sie sich jede Menge Reaktionen schon vorher weg.

Erst recht wenn diese Anlagen nichts aussagen!

  • Beispiel: Vor ein paar Wochen bekam ich eine telefonische Anfrage zum Vertrieb eines Omega 3 und OPC-Produkts. Da ich solche Mittel in der Praxis abgebe habe ich nicht kategorisch abgelehnt, sondern um schriftliche Information gebeten. Prompt kamen 4 Anhänge per E-Mail mit (vermeintlicher) Info zum Produkt. In den Anlagen wurde das Produkt und Inhaltsstoffe (total übertrieben) gelobt, viele Erfahrungen von Anwendern zitiert (alles wunderbar). Doch die mir wirklich wichtigen Informationen fehlten: Inhaltsstoffe mit Mengenangaben, Hersteller, Vertriebsfirma, Konditionen und Bestellabwicklung. Mein Fazit: unprofessionell, nicht transparent! Kein gestandener Therapeut wird sich mit sowas zufrieden geben.

Wenn schon Anhänge, dann solche die relevant sind und echte Zusatzinformation bieten; Preislisten, Zertifikate, bei Dienstleistungen Inhalt, Dauer und Konditionen, usw.

Wie schaut das Ganze aus?

Halten Sie sich an Styl und textliche Regeln.

  • Beispiel: Kürzlich erhielt ich eine Anfrage für den Vertrieb eines Testsatzes per E-Mail. Grundsätzlich komme ich dafür sehr wohl in Frage, ich vertreibe auf meinem Shop Testsätze und das hat der Absender auch angesprochen. Gut so. Das Anliegen war klar formuliert, fast ein bisschen frech, der Rest ein Fiasko. Keine Begrüssung, eine katastrophale Rechtschreibung (bis ich gemerkt habe, das das nur ein Übersetzungsprogramm zustande bringt, die Anfrage kam aus der Westschweiz), keine Konditionen, nur der Vermerk das ich daran viel verdienen kann, dann das Schlusswort “Bis dann Nick”. Keine Fussnote mit Anschrift, Webadresse usw.

Zugegeben, auf sowas reagier ich allergisch. Wem das drumherum so egal ist, wer glaubt, ich geh erst recherchieren wer das denn sein könnte, der kann mich mal!

Die wichtigen W-Wörtchen

Was Also? Wie sollte man es tun?

Einfach lässt sich ihr Text mit dem Wörtchen W im Kopf konzipieren.

Das hatten wir hier schonmal: Kurze, knackige Texte für ihren Webauftritt

Wer bin ich und was will ich?

Warum/weshalb haben Sie den Angeschriebenen ausgesucht. Welchen Nutzen hat (auch) der Angeschriebene davon, wozu dient es ihm?

Wie will ich das tun? Wie soll die Zusammenarbeit aussehen? Wie ist ihre eigene Vorstellung davon?

Wann kann das geschehen? Umreissen Sie das Ganze zeitlich. Sofort? In den nächsten Wochen? Im Frühling? usw.

Was ist dazu erforderlich; Ist von ihrer Seite ein Text erforderlich? Ein Logo, ein Bild? Flyer, Unterlagen usw. Wann werde ich das gegebenenfalls schicken.

Mindestens die 3 W’s: Wer, Was und Wie müssen in kurzen Sätzen formuliert sein. Schweifen Sie nicht ab. Es ist nicht wichtig, weshalb sie auf die Idee gekommen sind. Schreiben Sie inhaltlich klare Aussagen. Vermeiden Sie Sätze wie “ich würde mir wünschen” oder “es wäre schön, wenn wir ….”.

Vermeiden Sie die Möglichkeitsform à la, «möglicherweise hätten einige ihrer Kunden Interesse daran,» oder den Konjunktiv: «Wenn sich eine Zusammenarbeit ergäbe, könnten wir …», oder «über einen positiven Entscheid würde ich mich freuen.»

Schreiben Sie blos nicht geschwollen. Schreiben Sie so, wie sie sprechen. Laut vorlesen! Texte durchlesen lassen!

… und zum guten Schluss

Als Schlusswort reicht mir ein: «herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit. Mit freundlichen Grüssen.»

Die Fragen wurden bereits im Text auf den Punkt gebracht. Der Leser wird sich bei Interesse von selbst melden. Dazu muss man ihn nicht extra auffordern und sich nicht freuen würden über ein Feedback. Sie punkten mit dem Text, nicht mit der Verabschiedung.

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