BLÜTENPORTRAIT: Chicory – besser weniger statt mehr, dafür echt & ehrlich.

WegwarteDas Wesen der Bachblüte Chicory, Nr.8 ist uns allen vertraut und lässt sich mit einem Satz auf den Punkt bringen; Wir tun Dinge um geliebt zu werden.

Geliebt werden, dass kann vieles bedeuten. Wenn man mich mag, mich lieb und sympathisch findet, mich nicht einfach vergisst oder übersieht. Alle diese zwischenmenschlichen Momente sind bereits die mindeste Variante des “Geliebt werdens”.

Wir fühlen uns wohl, wenn man uns als freundlich, nett und hilfsbereit wahrnimmt. Und abends kann man ohne schlechtes Gewissen einschlafen.

Nur wohin führt diese scheinbare Zufriedenheit?

Dann missachten wir die eigenen Bedürfnisse und auch Ansichten. Dann schauen wir das andere zufrieden sind und ecken nirgends an. Das ist eine trickreiche Falle.

Nett und einschätzbar

Der wohl auffälligste Wesenszug von Chicory ist das schlecht Nein sagen können.

Typische Chicory-Menschen findet man in jedem Verein, an jedem Arbeitsplatz, und ganz besonders in gemeinnützigen Aufgaben, in Sozial- und Gesundheitsberufen.

Eine grosse Falle auch für uns Therapeuten. Wie oft schon haben Sie sich hinterher die Haare gerauft, weil sie den jetzt extra noch in ihren Terminplan reingequetscht haben? Und, Hand auf’s Herz, die Leute mussten nicht mal extra fragen, sie mussten nur jammern und Sie haben einen Spagat hingelegt!

Suchen Sie jemanden zum zügeln, der Chicorytyp wird dabei sein und ihnen auch gleich noch die Umzugskartons organisieren. Chicory ist einschätzbar. Er wird nicht nein sagen.

Nicht etwa, weil das Chicorywesen tatsächlich so selbstlos ist!

Nur, was passiert wenn man das nette, hilfsbereite Chicorywesen übersieht, vergisst, oder sich nicht gebührend bedankt? Oder wenn es selbst Hilfe braucht? Dann leidet Chicory, «Jetzt ist wieder niemand für einem da!» oder «keine Sau sieht, was ich alles getan habe!»

Chicory grollt innerlich, schwört sich, niemals mehr sowas zu tun – und tut es dennoch wieder. Es ist ein Teufelskreis.

Im täglichen Leben sind wir immer wieder in diesem Wechselspiel; Ich bin nett zu dir – also auch du zu mir.

Wir alle kennen diese Gefühle, mal mehr, mal weniger. Je nach dem, wem wir einen Gefallen tun können, wen wir umsorgen möchten.

Die Blüte gehört in eine Langzeitmischung, geht sogar häufig einher mit Heather, was zuerst widersprüchlich erscheint, es aber nicht ist.

Die selbstlose Liebe – wer kriegt das wirklich hin?

Chicory verkörpert eine hohe Tugend: die selbstlose Liebe. Wer schafft das schon? Immer und jederzeit? Wir möchten eine Reaktion spüren, eine minimale Wertschätzung.

Selbst Mutter Theresa brauchte das dankbare Lächeln ihrer Schützlinge. Jede Hilfe am Nächsten tun wir auch für uns selbst. Für das gute Gefühl. Und fühlen das im Moment durchaus selbstlos.

Es ist nicht das einmalige “Ja” statt “Nein”- sagen. Es ist eine Verhaltensweise die tiefer geht, die bei einigen Menschen sämtliche sozialen Kontakte bestimmt.

Dahinter steckt die Angst wahrhaftig sich selbst zu sein. Die Angst Menschen zu verlieren. Aber man kann nicht immer und jederzeit jedem gefallen. Es hat nichts mit echter Empathie zu tun, wenn die eigenen Stimmungen und Ansichten ständig überspielt werden.

Schade auch: Das Wesen des typischen Chicorymenschen ist eine Persönlichkeit ohne Ecken und Kanten. Einfach nur lieb sein, damit bleibt man niemandem in Erinnerung.

Und ist trotzdem oder grade deswegen auch nicht glücklich.

Man spürt die Erwartung des Chicoryweses, seine Zuvorkommenheit auch gebührend zu würdigen. Man darf sie nicht vergessen, nicht übersehen. Sie wollen das ihr Einsatz gebührend beachtet und geschätzt wird. Wenn nicht jetzt, dann später.

Tut man das zuwenig, fühlt sich das Chicorywesen schlecht behandelt und flüchtet nicht selten in Krankheit.

Die schönste Schlingpflanze kann den stärksten Baum umbringen, sie braucht ihn nur jahrelang unablässig zu umarmen. Phil Bosman

Wie wahr. Das Chicorywesen darf sich selbst lieben ohne ständig Gutes zu tun. Das ist die grosse Erfahrung für jeden von uns. Für Chicory ist die Liebe oftmals ein Handel. “Ich bin liebenswert zu dir, also liebe mich auch!”.

Die gesunde Distanz

Die Bachblüte Chicory, Nr.8, fördert die gesunde Distanz, das Loslassen von den Bedürfnissen des Gegenübers und den Ausgleich zwischen Geben und Nehmen.

Aus Cichorium intybus (Wegwarte) werden nicht nur Blütenessenzen hergestellt,sondern auch Tinkturen (Lesen Sie hier das Pflanzenportrait im Blog.)

Es geht um Entscheidungen, kleine und grössere, die man immer wieder für sich trifft. Ganz so wie es aktuell richtig erscheint.

Bezeichnenderweise ist die Wegwarte ein typisch bitteres Gallenmittel. Die Galle steht für Verbitterung. Für die leidenden Gefühle wenn das Leben (selbstverständlich die Menschen!) nicht fair mit einem umgegangen ist. Verbitterung ist vorallem eins: unterdrückter Zorn. Heruntergeschluckt, abgewürgt.

Will man diesen Teufelskreis des lieb seins und der wiederkehrenden Enttäuschung durchbrechen, empfehle ich meinen Patienten mehr Zurückhaltung. Abwarten, reinfühlen. Das Gewohnte jetzt nicht tun.

Wenn Gefahr droht ein JA zu geben, statt ein Nein, darüber schlafen. Die eigene Ansicht, wenn überhaupt nötig, ehrlich kommunizieren. Und bitte ohne sich zu rechtfertigen!

Auch etwas frecher und spritziger sein, das verträgt das Chicory-Wesen ganz gut, man darf auch mal Reaktionen riskieren.

Was dann passiert ist äusserst selten das, was man zuvor befürchtet!

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