REINE SPEKULATION; die Gedanken anderer

Scannen2ˮDie meisten Menschen denken hauptsächlich über das nach, was die anderen Menschen über sie denken.”

Sean Connery, Schauspieler

Nachdenken, was andere über Sie denken, braucht Kraft, die Sie besser nutzen könn(t)en.

Wenn wir unsere Überlegungen und Handlungen ständig aus dem
Blickwinkel dessen bewerten, was sie bei anderen erzeugen, dann ist unser anfänglicher Impuls, die Idee oder Entscheidung, bereits auf dem Prüfstand; „Was könnten die anderen darüber glauben, was sagen sie dazu, wie schauen sie mich jetzt an?“

Es ist reine Spekulation, denn Sie (oder die anderen) könnten sich täuschen.

Mal davon abgesehen, wieviel Hirnerei das kostet. Wenn unser ursprünglicher Gedanke diesen Prüfstand übersteht, kostet es nochmals an Erklärungen. Oder gar Rechtfertigung. So geht das nicht!

Niemand ist gänzlich unabhängig von den Gedanken anderer.

Trotzdem können wir unsere Verhaltens- und Glaubensmuster anschauen.

Nehmen Sie sich für folgende Fragen genügend Zeit. Eine nach der anderen, fühlen Sie hinein, ergründen Sie Ihre Reaktionen auf die Fragen. Vielleicht haben Sie aktuell ein Thema, dass Sie verwirrt oder unsicher macht. Dann schauen Sie, wie die Frage sich in Bezug zu diesem konkreten Thema anfühlt.

 

Checkliste

  • Was tue ich, wenn ich einen Impuls, eine Idee habe. Wie schnell folgt jeweils der Gedanke, was andere darüber glauben könnten? Geht das sehr schnell. Wann und weshalb kommen die Bedenken? Bei WEM kommen die Bedenken?
  • Bringt mich eine erstaunte Reaktion, ein verdutztes Gesicht oder eine dumme Bemerkung schnell ins Wanken? Wieso?
    • Erwarte ich uneingeschränktes und vollstes Verständnis?
    • Habe ich Angst, für dumm gehalten zu werden?
  • Habe ich zuviel Scheu davor, dass sich andere verletzt fühlen? Könnte man sogar annehmen, dass ich das beabsichtige?
  • Gibt es etwas an Ihnen, das heftige Reaktionen oder sogar Kritik erzeugt?
    • Weshalb könnte es diese Reaktionen erzeugen? Sind diese berechtigt oder liegt es eher an den Vorstellungen der Gesellschaft?
    • Stehen Sie zu Ihrer eigenen Art oder suchen Sie Kompromisse um keine Kritik zu erzeugen?
  • Könnte das, was sie tun, praktische Konsequenzen haben? Müsste jemand darunter leiden? Wirklich?
    • Könnte es so aussehen, als würden Sie ihre Verantwortung nicht tragen?
    • Wo genau liegen Ihre Verantwortlichkeiten wirklich? Wie eng oder weit stecken Sie diese ab?
  • Ist das was Sie tun möchten, ziemlich untypisch für Sie? Z.b. in der Informatik arbeiten, obwohl Sie Floristin gelernt haben? Könnte es sein, dass andere ihnen das nicht zutrauen? Wie reagieren sie darauf?
  • Könnte Sie das, was Sie tun möchten, in ein “schlechtes Bild” rücken?
  • Ist Ihr Interesse oder ihre Wahl so speziell, dass Sie dafür Gelächter oder Spott ernten?
  • Könnten Sie mit Ihrem Verhalten als unzuverlässig gelten. Gar schlampig?
  • Könnte man annehmen, Sie seien ´auf’s Geld´ aus?
  • Könnte man annehmen, Sie seien kalt, böse und herzlos?
  • Könnte man denken, Sie lassen jemanden im Stich
  • Könnte man Sie als faul und bequem einschätzen?
  • Könnte man Sie als Emanze, Schlampe, Grüne, Tussi, böses Weib, -Als Eine, die die Hosen an hat. Eine, die den Kindern nicht schaut, Eine, die ihren Mann vernachlässigt, oder sonst was abstempeln?
  • Könnte man Sie als faulen Kerl, rechthaberischen, arroganter Typ, zu empfindlich, sensibel, Einer der seine Familie vernachlässig, seine Freunde nicht pflegt, oder sonst was abstempeln?

Könnte man das tatsächlich von Ihnen denken?

Manchmal blockieren wir uns selbst so sehr. Versuchen Sie auch in folgende Fragen hineinzufühlen.

  • Wie fühle ich mich, wenn die anderen das von mir denken?
  • Denken das Alle? Wer denkt das?
  • Wie wichtig ist mir diese Person oder Gruppe.
  • Und zu guter Letzt ;-). Werden sie mich meiden, ausstossen, verlassen, verschmähen, aus dem Dorf jagen?

Wir wollen ja nur ein bisschen Liebe,

und lassen dadurch unser Handeln bestimmen. Das Schöne an der Liebe ist, dass sie viele Kinder hat und diese sich in verschiedenen Kleidern zeigt:

Ich fühle mich wohl, wenn man mich gern hat,

Wenn ich Anerkennung bekomme

und (in der Gruppe, im Dorf, im Verein) integriert bin.

Ich werde auch ernst genommen

Und meine Meinung ist gefragt.

Sie begrüssen mich auf der Strasse,

rufen mich an, schreiben ein Mail oder ein SMS.

Sie sprechen gut über mich

und ziemlich oft werde ich an Feiern oder zum Essen eingeladen.

Dabei sein ist schön. Dazugehören gibt Sicherheit.

Sie vergessen mich nie und ich bekomme

Sympathien, Freundlichkeit und Wärme.

Und dafür tun wir schon mal einen Spagat.

Denn ein Mensch, der seine ehrlichen Schritte tut, wird gerne als etwas kompliziert, eigensinnig oder mindestens als „komischer Kauz“ betrachtet.

Und das macht Freundschaften schwierig (er).

Die Entscheidung. Welche Gedanken gewinnen?

Als sympathisch zu gelten, ist ein verlockendes Ziel. Vielleicht möchte ich nicht, dass sich mein persönlicher Freundeskreis verändert? Ich möchte ihn nicht opfern, um als Gewinn mehr Zeit für meinen Lebenslauf zu haben. Es ist meine Wahl!

Oft wählen wir vorsichtshalber einen Mittelweg.

»Ein geschicktes Organisationstalent bringt die eigenen Bedürfnisse und die Vorstellungen anderer unter einen Hut!« Ein Satz unseres inneren moralischen Predigers.

Ja, und dann versuchen wir das ein Leben lang. Und verprassen schon mal die eine oder andere Chance.

Die bewusste Wahl

Wenn wir über unsere Glaubenssätze im Klaren sind, erkennen weshalb genau hier ein Ängstchen da ist und wie dieses aussieht, dann wählen wir bewusster. Auch wenn diese Wahl noch sehr viele Kompromisse beinhaltet. Oder (noch zu oft) nach den Erwartungen anderer ausfällt.

Ich möchte Sie ermuntern grosszügig mit sich zu sein. Das darf man auch, wenn Sie sich selbst recht gut durchschauen. Lassen Sie sich diese Zeit und fühlen Sie, was Sie ihres Selbst willen wählen wollen.

»Ich habe über mich nachgedacht und bin zu einer Entscheidung gelangt. Und diesmal ist es mir wichtig genug! Deshalb werde ich das Ängstchen (vor den möglichen und unmöglichen Gedanken anderer und deren möglichen Folgen) am Schopf packen.»

»Ich bin mir meiner Angst vor den Annahmen anderer über mich bewusst. Sollen sie doch ihre Schlüsse ziehen. Wenn ich mich meiner Entscheidung sicherer fühle, werde ich dies in Kauf nehmen.»

Weshalb könnten mich die Gedanken anderer gar interessieren?

Ich glaube nicht, dass wir gänzlich unabhängig von der Meinung anderer sein können. Und ein bisschen Reflexion kann nicht schaden. Ich bin auch neugierig, was andere von mir (oder meiner Sache) denken.

  • Weil die Überlegungen ganz spannend sein könnten.
  • Weil eine ehrliche Haltung Respekt vor meiner Person signalisiert. Lieber Klarheit, als Schleimerei!
  • Weil ein Feedback die direkteste Quelle ist, um Schwächen zu optimieren. Vielleicht erfährt man die Schwäche erst dadurch. Hier ist vorallem die berufliche Selbständigkeit gemeint.
  • Weil ein Fremd-Gedanke ein zusätzlicher Impuls sein kann. Ein Gedankengang, der mir bisher nicht eingefallen ist. Das fehlende Puzzleteil, der passende Hinweis.
  • Weil es tatsächlich auch möglich ist, dass ich „ab der Spur“ bin. Dann ist mir die ehrliche Meinung einer integren und nahestehenden Person sehr wichtig.
  • Und Kurzum; es könnte auch ein Missverständnis sein. Dann möchte ich es auch wissen.

Denn wenn du denkst, er denkt, sie denkt, dann denkst du nur darüber nach, was er oder sie denken können. WAHNSINN.

2 Kommentare fuer “REINE SPEKULATION; die Gedanken anderer

  1. Liebe Maria

    Herzlichen Dank für diesen wirklich Hammermässigen Beitrag! Da steckt sooooooooooooo….. viel dahinter (also vor allem bei mir) Da bin ich schon seit einigen Monaten dran und es schient nicht zu enden. Dieser kleine Teufel im Nacken der immer wieder versucht sein ” das kannst Du nicht tun , sagen, was auch immer, was denken denn die anderen. Meine Mutter lebt in einem Kokon gesponnen mit diesem Gedanken. Ich habe schon viel geschafft! Mich aber diese Woche bei einer Beerdigung im Familienkreis ertappt wie ich in diesem Kreis noch voll im gleichen Schema bin……. Und jetzt dieser Beitrag von Dir………… vielen herzlichen Dank er kommt wie gerufen.

    Liebe Grüsse Yvonne Nagel

  2. Hallo Yvonne
    Wir alle tappen immer wieder in diese Falle, oder sehen sie kurz vorher. Als ich den Text “… nichts als Krankheiten” geschrieben habe, gebe ich ihn meinem Partner zum Korrekturlesen. Er meint: “Super, aber könnte es sein, dass du dich genervt hast? Man spürt es.” Und ich überlegte, ob man mich nun als herzlos empfinden könnte. :-) Ob ich meine Stimmung wirklich (in diese Beobachtung) miteinfliessen lassen sollte? Ja, wie du siehst ist der Artikel im Blog …

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