INTERNETKLAU: Teil II – Texte -

Icon Copyright goldInternetklau – Woher krieg ich (legal) meine Texte?

Wie es der Titel bereits sagt; auch Texte sind urheberrechtlich geschützt. Und es verhält sich ähnlich, wie bei den Fotos: Internetklau-Woher krieg ich meine Fotos

Gesetze über Plagiate/Urheberrechtsverletzungen sind kompliziert und verworren. Für unsereins genügt es zu wissen, wovon wir die Finger lassen sollten. Das ganze Thema lässt sich nämlich kurz  fassen:

Sie sind dann auf der sicheren Seite, wenn Sie sich an folgende Regeln halten. 

  • Texte selber schreiben
  • Texte schreiben lassen. Mit oder ohne Kosten.  Lesen Sie auch den Artikel; Wie Schreibereien leichter fallen.
  • den Autor anfragen.
  • Zitieren
  • Quellennachweis erbringen

Schnell ist’s passiert.

Nehmen wir an, Sie benötigen für Ihre Website oder einen neuen Flyer Text. Vielleicht wollten Sie ihre Behandlungsmethode beschreiben?  Ein wenig googlen, bestimmt finden Sie einen treffenden und gut geschriebenen Artikel im Netz. Oder, Sie sind zuständig für die Planung eines Vortrags in Ihrem Verein. Von einem früheren Anlass dieser Art, besitzen Sie noch das Skript zum Thema. Es mal schnell zu kopieren, ist ein naheliegender Gedanke.

Weshalb sollten wir das das nicht tun?

  • Weil es eine Unart ist.
  • Weil es sich für den Schreiber Scheisse anfühlt. (wenn er es erfährt)
  • Weil es verboten ist.

Zu spitz formuliert? Ich mache keinen Hehl daraus, was ich von der gedankenlosen Kopiererei halte. Wenn keine Quellen zitiert werden, lassen wir den Leser dann nicht annehmen, das wir das selbst geschrieben haben? Auch wenn in den meisten Fällen nichts geschieht, auch wenn der Text privat oder halbprivat in Umlauf kommt, auch wenn es nur Textteile sind; Das ist kein Kavaliersdelikt.

Da ich inzwischen auch selbst drei, vier Geschichten dieser Art erlebt habe, weiss ich, wie es sich anfühlt.

Ich glaube übrigens auch, dass die meisten Raubkopien aus Unwissenheit und Naivität passieren. Nicht aus böser Absicht. Falls leichte Zweifel auftauchen, werden diese oft aus  Bequemlichkeit und Hilflosigkeit (den Text selbst zu schreiben oder schreiben zu lassen) beiseite geschoben.

Seminarausschreibungen, informative Flyer, Visitenkarten, Therapieempfehlungen, Gedankenstützen, Rezepte, Anleitungen, Körperübungen für Patienten, Methodenbeschreibungen, Arbeitsblätter, Ernährungsempfehlungen, Praxisinfo, Anfahrtspläne, Homepage, Seminarskript, Seminarausschreibungen, Weihnachtsbriefe, allg. Klientenkorrespondenz, Empfehlungsschreiben, Einladungen, Jubiläumsfeiern, Tage der offenen Tür, Behördenkorrespondenz …

Sie sehen, das Thema ist nicht ganz überflüssig.

Zugegeben, ich würde lügen, wenn ich behauptete, nie und niemals etwas abgekupfert zu haben.

Von anderen lernen, ja, aber nicht kopieren.

Wir holen uns alle mal irgendwo eine Idee. Schauen wie andere gestalten, schreiben, formulieren. Stilmittel, Ausdruck, all diese Sachen. So können wir auch dazu lernen, da ist nichts Böses dabei.

«Auch Ideen sollen unbehindert verbreitet und ausgetauscht werden können und sind deshalb als solche nicht geschützt; Schutz geniesst nur die Form, in der eine Idee ausgedrückt wird, also z.B. der geschriebene Text.» Quelle: https://www.ige.ch/urheberrecht.html

Schwieriger wird’s, wenn wir 1:1 kopieren.

Kopieren und dann mehr damit machen, als der Freundin geben. Haben Sie gewusst, dass es Programme gibt, mit denen der Autor seine eigenen Texte im Internet aufspüren kann?

Un.Co.ver und www.plagaware.de , 2 Programme die Texte und Textstellen aufspüren.

Ganze Texte

Wenn Sie ganze Texte übernehmen möchten, fragen Sie den Urheber direkt an.  Ob ihm das Recht ist und in welcher Art es für ihn stimmt.

Was fühlen Sie bei folgendem Beispiel?

Eine Ausbildungskollegin besucht Sie in Ihrer Praxis. Sie zeigen Ihr, ein für Ihre Klienten, neu gestaltetes Infoblatt. Zufälligerweise erfahren Sie später, dass sie  diesen Text sorglos kopiert, mit eigenem Briefkopf versieht in ihrer Praxis abgibt.

Sie könnten sich hintergangen fühlen. In diesem Moment ist es nicht angebracht, an der eigenen Loyalität zu zweifeln. Es ist verständlich, dass Sie wütig werden oder sich betrogen zu fühlen!

Texte, die Sie an Seminaren erhalten und für den privaten Gebrauch kopieren, sind kein Problem. Aber wenn sie in grossem Stil und ohne Angabe der Quelle weiter gegeben werden, benötigt es einen Schutz vor Missbrauch.

Plagiate, eine neue Kunstform? Im Frühling erregte die  junge, deutsche Autorin Helene Hegemann mit ihrem Buch “Axolotl Roadkill” einiges Aufsehen. Ihr Buch kletterte blitzschnell auf die Bestsellerliste, und schon bald meldeten sich andere Autoren. Solche, die festgestellt haben wollen, dass ihre Textstellen im Buch vorkommen. Was die Autorin auch nicht abstreitet. Die danach entstandene Diskussion um Plagiate in der Schriftstellerei und ob Textraub auch als “neue Schreibkunst” angesehen werden könnte, nun ja, ich weiss nicht. Mehr dazu:  http://www.youtube.com/watch?v=WSvPCegpK0w&feature=channel

Wenn Sie Texte benötigen, fragen Sie den Autor/Verlag/Redaktion doch einfach an? Oder tun Sie ganz sicher Folgendes konsequent.

  • Ganze Texte:  zum Kopieren,verteilen, weiterleiten; Die Quellenangaben (Name, Kontakt, Autor) sollten in der Fusszeile stehen bleiben.
  • Bei Textteilen: Quellenangabe direkt unter der Textstelle. Möglichweise auch mit einem Verweis auf die Quelle am Schluss des Textes. Die Textstelle soll klar als Zitat hervorgehoben werden.

Auch ohne dieses Zeichen ©

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist es zu glauben, ein Text (oder anderes schöpferisches Werk) sei nur geschützt, wenn das Copyright © – Zeichen da steht. Das ist falsch. Ein schöpferisches Werk, also Text, Musik, Theater, Kunst, Skulpturen, Opern, Ballette usw. sind immer geschützt. Darauf muss nicht explizit hingewiesen werden. Und auf keinem Amt hinterlegt oder angemeldet werden. (wie beim Patentrecht oder Markenrecht)

Ausnahmen – Standarttexte

Standardtexte wie “Allgemeine Geschäftsbedingungen”, “Annulationsbedingungen” usw. machen hier eine Ausnahme. Ebenfalls Gesetzestexte, Texte von Behörden und öffentlichen Ämtern. Sie müssen ungehindert verbreitet werden können. Umstritten sind Beschreibungen und Gebrauchsanweisungen. Steht dahinter ein geistiges Eigentum? Die Gesetzeslage ist nicht ganz klar.

Nehmen wir an, Sie verkaufen in Ihrer Praxis ein Produkt. Sie möchten die Produktebeschreibung des Herstellers für einen Flyer benutzen. Fragen Sie die Herstellerfirma kurz an. Sie wird nichts einzuwenden haben.

Worte, Wortmarken ® ™

Wortmarken müssen eingereicht/hinterlegt werden. Beim eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum in Bern. www.ige.ch

Darunter fallen:

  •            Geschäftsbezeichnungen
  •            Methodenbezeichnungen
  •            Produktenamen
  •            Werbemittel: Slogan, Claim,  http://de.wikipedia.org/wiki/Claim_(Werbung

2 Beispiele: Der Titel einer meiner früherigen Vorträge lautete “Bin ich sauer?”  Ich hielt diese Anlässe zum Thema Säure-Basen-Haushalt regelmässig im Dynamica ab. Später sah ich in der Zeitung die Anzeige eines Vortrag zum selben Thema, organisiert von einem Dorfverein in der Umgebung. Kein Problem, da drüber darf jeder reden. Nicht das war es, was mich stutzig machte. Der Anlass genau denselben Titel trug!  Kann Zufall sein.

Mein Partner trägt unter seinem Firmenlogo den Satz (Claim) “wenn Feinheiten entscheiden”. Vor 25 Jahren ganz spontan gewählt, ist dieser Satz heute nicht mehr von der Firma wegzudenken. Er hätte keine Freude, wenn dieser Wortlauf von jemand anderem übernommen würde.

Nur, solche “Erfindungen” sind kein geistiges Eigentum, ausser man lässt Worte und Sätze als Wortmarken schützen.

Ich empfehle dann,

  • wenn das Produkt, der Firmenname, die Methode  und allenfalls auch der Slogan, wirklich gut sind.
  • Sie überregional tätig sind. Sich ihre Arbeit auch im Internet “weiterentwickelt”.
  • Sie Ihr Geschäft über viele Jahre kontinuierlich aufbauen wollen.
  • Der Slogan auch nach vielen Jahren noch passt und Ihre Arbeit immer noch treffend auf den Punkt bringt.

Aber wer kommt schon auf die Idee dem McDonald’s sein “i`m lovin it” zu klauen?

Wenn Sie eines dieser Worte in Ihren Texten verwenden, setzen sie das Zeichen© dazu. Das geschützte Wort beinhaltet die Markenrechte. z.B. Weitergabe von Produkten, Ausbildung usw.  Meine Blauphase® ist als Name und Marke geschützt. Ein eigenes Erlebnis hat mich auf dieses Detail aufmerksam gemacht;

Vor Jahren organisierten wir im Dynamica 5-Tibeter ® – Workshops. Bis eines Tages die Aufforderung eines Anwalts kam, dies zu beenden, weil  wir nicht autorisiert seien, diese Methode zu unterrichten. 5-Tibeter ® ist ein geschütztes Markenzeichen, das darauf achtet, was mit der Methode geschieht.

siehe auch: Wortmarken

Zitate

Zitate sind oft eine Bereicherung für Ihre Texte. Wichtig ist, dass ein Zusammenhang zwischen dem Zitat und ihrem Text hergestellt werden kann. D.h. dass das Zitat inhaltlich zu ihrem Text passt. Und der Urheber des Zitats erwähnt wird.

Was ist ein Zitat und wie wird es verwendet?http://de.wikipedia.org/wiki/Zitat#Schweiz

 Und hier können Sie Zitate problemlos “holen”.

Folgender Text aus http://www.akademie.de bringt das Thema abschliessend klar auf den Punkt:

 «Die Rechtssprechung bietet keine sichere Schablone, die man über Texte legen kann. Deshalb sollten Sie bei fremden Texte im Zweifel davon ausgehen, dass das Urheberrecht greift, und den Autor um Erlaubnis bitten, seinen Text zu nutzen».

Den Urheber, den Autor respektieren.

Menschen die mutig und einfallsreich sind, sich einen Haufen Arbeit machen, und nicht nur das; die es auch wagen, damit vor ihr Publikum zu treten, respektiere und schätze ich sehr!

Und oft müssen sich diese Menschen auch noch so Einiges anhören über “ihre Schöpfung”. Oder sind Kritik und Neid ausgesetzt. Sie haben es nicht verdient, sich von fantasielosen und bequemen Trittbrettfahrern die Rosinen stehlen zu lassen!

——————————————————-

Linktipps

Gesetzte über das Schweizer Urheberrechtsgesetz.  Hier können auch Wortmarken recherchiert (nachschauen, ob es sie schon gibt) und angemeldet werden.

https://www.ige.ch/urheberrecht.html

www.ige.ch

httpt://kmu.ige.ch/

Was ist nicht geschützt? https://kmu.ige.ch/urheberrecht/was-ist-nicht-geschuetzt.html

Wortmarken

Kommentar verfassen