PERSÖNLICHKEIT: so was Blödes – Gespräche im Konjunktiv

Sich in Worten auszudrücken ist ja schon schwierig genug. Dies im Konjunktiv II – der grammatikalischen Möglichkeitsform – zu tun, ist noch verrückter. Trotzdem bedienen wir uns recht häufig dieser sprachlichen Unart. Dabei entstehen dann diese albernen Gespräche, wo man zum Schluss kein bisschen weiter ist:

«Ich würde gerne regelmässig ins Fitnesscenter gehen. Was meinst du, könntest du nicht auch mitkommen?»

«Aber sicher, wenn ich nur abends nicht immer so müde wäre. Und wenn mein Mann mal rechtzeitig nach Hause kommen würde, könnte ich wegen der Kinder auch wieder mal etwas für mich tun.»

„Leerlaufgespräche“, sage ich heimlich dieser Art von Dialogen. Denn hinterher weiss man gleich viel wie vorher. Denn das daraus nix wird, weiss man ziemlich schnell.

Im Konjunktiv bleibt alles vage. Es geht um potentielle Möglichkeiten, nicht um klare Facts. Oft bedienen wir uns des Konjunktivs um irgendetwas zu erklären, – «Wenn jemand bei den Kindern wäre, würde ich sofort mitkommen!« – was uns genau dieses bezweifeln lässt.

Vergessen wir nicht die Kraft der Sprache.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir unsere Realität selbst erschaffen, bleiben wir mit der Möglichkeitsform nur im Bereich des Möglichen. 😉

Verben des Konjunktivs: Wikipedia

Verben in der Möglichkeitsform: käme, würde, dürfte, könnte, klänge, misslänge, stänke, träfe, stäche, schwämme/schwömme, vergösse, flösse, schösse, verlöre, schmölze, führe (fahren), grübe, wüsche, stürbe.

Oft sprechen auch unsere Klienten so …

  • Ja, das wäre sicher eine Idee, aber was würden bloss die anderen denken?
  • Hätte ich mehr Zeit, würde ich ohne zu zögern …
  • Wenn ich mehr Geld, eine bessere Ausbildung, den besseren Ehemann … hätte, würde ich …
  • Wenn ich anfangen würde zu schwimmen/tanzen/reiten/joggen …, hätte ich sicher wieder mehr Schmerzen.
  • Wenn ich nicht an diesem Ort arbeiten müsste, wäre ich sicher fröhlicher.

Solche Gespräche bringen nichts. Ganz einfach darum, weil wir nicht über Dinge spekulieren können, die sein könnten aber auch nicht sein könnten!

Unser Denken kann sich Unmengen von Variationen ausdenken. Wir spekulieren gern alle Eventualitäten durch. Was uns ziemlich sicher aber davon abhält, Entscheidungen zu treffen.

Solche Gespräche zermürben jeden Zuhörer. Was kann man dazu noch sagen?

Ich habe Ihnen einen Vorschlag. Tun Sie’s ebenso!

So helfen Sie dem anderen auf die Sprünge.

Wenn nun Sie spekulieren und die Phantasie des Gegenübers auf die genau gleiche Art mit wäre, würde und könnte anregen, enstehen ganz neue Vorstellungen – oder man spürt relativ schnell, dass es auch dann nicht anders wäre.

«Wenn ich dich richtig verstehe, wenn das mit der Kinderbetreuung gelöst wäre, würdest du dann mitkommen ins Fitnesscenter?» –  «Hmm, nun ja ….»

So nutzen wir den Konjunktiv im positiven Sinne.

Was genau wäre denn super für dich und wie könnte dich das weiterbringen?

Was würden Sie alles tun, wenn sie könnten? Welche Freuden und Freiheiten dürfte ihnen das bringen?

Was für Türchen könnten aufgehen und neue Wege aufzeigen? Würden Sie die Gelegenheit ergreifen?

und drehen den Spiess um!

Da diese Art der Sprache auch bei der therapeutischen Arbeit recht häufig vorkommt, mag ich es, die Klienten ein wenig in ihrer Phantasie anzuregen:

  • «Wie würden Sie ihren Tag verbringen, wenn sie sich um nichts kümmern müssten? Wenn für alles gesorgt wäre und sie sich keine Gedanken um das Geld machen müssten?»
  • «Wenn sie das täten, was sie am liebsten tun würden, was wäre das?»
  • «Welche Weiter/Ausbildung würden sie denn gerne machen, wenn sie könnten?»
  • «Was würden Sie denn am liebsten tun, wenn sie keine Schmerzen hätten?»

Wir dürfen unsere Kunden zu Ihrem Einfallsreichtum ermutigen und ihnen sagen, dass solche „ich würde, wenn ich könnte-Wünsche“ ganz real angestrebt werden können.

Auch in der Möglichkeitsform haben wir die Wahl, ob das Glas halb voll ist – oder halb leer.

Wenn nur dieser verflixte Zweifel nicht wäre. Wenn wir nur so tun könnten, als sei alles bereits PRÄSENS.

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Lesen Sie auch den Artikel: wenn das Wörtchen Wär nicht wär.

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