SINNLICHES: ein Kleid zum Verlieben

Noch 3 Tage bis zu dem wahnsinnigen Anlass! Meine Mutter ruft schon wieder an. Dabei handelt es sich nur um ein ganz normales Hochzeitsfest. Mein Neffe heiratet. Und weil es Mütter auch bei Töchtern über 45 nicht lassen können, fragt sie: «Was ziehst du an?»

«Irgendeine Hose und Bluse werde ich schon finden », antworte ich. «Eine Hose?!!!!!! Das darf ja wohl nicht wahr sein. Zu SOWAS zieht MAN einen Rock an! »

Mir ist jetzt schon Bange vor dem missbilligenden Blick meiner Mutter. Also fahr ich los. Ins Bekleidungsgeschäft mit Bedienung und Hosen mit entsprechender Qualität. Die kannst du wenigstens sonst auch mal anziehen, Mädel!

Ich komme in der falschen Saison. Die neuen Modelle lassen auf sich warten. Weshalb ich denn die Hose brauche, Hochzeit, aha, dürfte ich Ihnen Etwas zeigen?

Neben der Hoseabteilung ist die Festmodeabteilung. Praktisch! Die wissen, wie’s läuft. Das Fräulein bringt mir einen roten Zweiteiler. Woher kennt die meine Vorliebe für Rottöne? Steht mir wunderbar, puahh, chick wie blöd. Das Preisschild baumelt am Rock und lässt mich sofort zurückzucken. Das Oberteil wird nicht viel besser wegkommen. Fräulein, da muss ein Kompromiss her!

Verständnisvoll geht sie erneut auf Jagd. Sie kommt mit einem riesigen Stück Stoff zurück. Einzelstück, liegengeblieben, ehemals sauteuer.

Über die Unterschenkel fühlt es sich schon sehr gut an, frau merkt sowas ja schnell, dann weiter –  geschmeidig die Oberschenkel hoch. Über das Gesäss weiter. Ohne nur ein Häuchchen zu stocken! Dann die heikle Phase, der Reissverschluss.  Ich denk noch, wenn das jetzt gut geht, und schon glitscht der Rest hoch ohne einen einzigen Stop! Wunderbar! Das fühlt sich an wie eine zweite Haut!

Das Fräulein kommt mit hohen Schuhen. Was für ein Service!

Jetzt stolpere ich zum Spiegel.  Und bin perplex! Genauso fliessend, wie sich das Kleid anfühlt, genau so sieht es auch aus! “Puahh, die Silhouette ist endlos, woher plötzlich die langen Beine?”

Ich bekomm augenblicklich gute Laune, ob dieser Verwandlungskunst.

Das Fräulein guckt stille, Ihre Meinung ist gemacht. Sie blickt zu Boden und sagt; Da müssen 2 cm weg! Ich überleg in Millisekunden, wer mir diesen Liebesdienst erweisen könnte.

Die Würfel sind gefallen und das PuzzleKleid ist mein!

Zuhause der Härtetest: Ich führe es meinen Männern vor. Sprachlos ist er, mein Liebster. Meinem Sohn entlockt es ein. “Wie eine Statue!”

Am Freitag überfällt mich ein Selbstwerteinbruch. Ich leg schon mal die schönen Jeans parat. Falls die anderen Frauen keine Lust auf Diva haben und ich ganz alleine bin? Oder bei spontanen Blähungen, hä? Sowas kann man nie wissen, meinst ich zieh den ganzen Tag den Bauch ein?

Samstag, ich bin ganz erstaunlich gut gelaunt. Also Vollmontur. Ich schnapp sogar meinen schönen Hut. Wenn ich deeen der Umwelt aussetze, dann habe ich gute Laune.

Das Kleid bewährt sich in allen Hochzeitslagen. Die Tränen in der Kirche fängt es fleckenlos auf. Nichts das zwickt beim rumstehen & sitzen, spielen, laufen und knien, sogar wenn Frau den ganzen Tag isst.

28 Grad heute und nichts klebt. Ein Stöffchen, dass leicht und luftig auf der Haut liegt.  Wenn meine Hände liebevoll den Stoff glattstreichen … dieser beim Gehen sanft um meine Beine räuschlet – das Kleid ist zum Verlieben!

Und ich fühl mich darin selbstbewusst, fröhlich und munter. Und neben mir mein Liebster, der heute in seinem Anzug noch knackiger aussieht als Clooney persönlich.

Und ich kann darin tanzen! Ich rock mit meinem Rock bis spät in die Nacht. Gemeinsam mit anderen Frauen und Männern, allesamt wunderschön, rauschen wir zusammen um die eigene Achse.

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