SELBSTSTÄNDIGKEIT: Was mich an Weiterbildungen echt nervt!

Seit 20 Jahren besuche ich meine Weiterbildungen. Einerseits freiwillig, andererseits, weil ich das – wie viele von Ihnen auch – aus gesetzlichen Gründen tun muss.

Wenn wir mal vom vermittelten Inhalt absehen, so gibt es Dinge aus der organisatorischen Ecke, die mir wirklich langsam zum Halse raushängen!

Bin ich hier der einzige Motzer?

Es gibt so Kleinigkeiten, die leiern sich ein. Zuerst machen es wenige, dann machen es alle. Somit wird es üblich; «Na, das ist doch inzwischen überall so, das machen andere auch!»

Zum Glück ist das mein persönliches Blog. Da darf ich wettern wie ich will, hah!

Ein gut möglicher Weiterbildungstag

Mitunter beginnen Weiterbildungen gleich mit einer Vorstellungsrunde. Nach der 3. Person weiss ich bereits den Namen der ersten nicht mehr. Obwohl ich die durchaus höhrenswerten Lebensberichte unter anderen Umständen spannend gefunden hätte, kommt mein erster Einbruch. Grade eben war ich noch munter und hoch motiviert, nach 15 Minuten kritzle ich schon gedankenverloren Striche und Kreise auf den frischen Schreibblock. Wenn man Schwein hat, ist danach bereits die erste Pause.

Wie zu erwarten ist die Mittags- und Schlusszeit ist inzwischen angepasst worden (Manchmal mache ich mit mir eine Wette, wielange es dauert bis dieses Anliegen beumfragt wird). Egal, während der letzten halben Stunde läuft eh nicht mehr viel ausser dem Geläufe der Aufbrechenden.

Der Kaffeeautomat will natürlich Geld. Wer um alles in der Welt kassiert gerade satte Seminargebühren und verlangt dann Geld für einen Kaffee oder Tee?

Nach theoretischen Grundlagen wird praktisch gearbeitet. Das Zeigen einzelnder Techniken oder Massagegriffe wird so in die Länge gezogen, das mein frischer Motivationsgedanke “komm Mädel, hab dich nicht so, das kommt schon noch”, wieder verflogen ist. Hilfe, ich langweile mich! Manche Seminaranbieter füllen mit einzelnen Grifftechniken ganze Wochenenden.

Wenn dann noch Erfahrungsberichte dazukommen, wähne ich mich im Kreise eines Elternabends; «Schön, wieder alle der Reihe nach, bitte!»

Wahrscheinlich wird nach der Nachmittagspause der Turbo eingestellt und der versprochene Seminarinhalt wird komprimiert vermittelt.

Sofern keine ungeheuerlichen HackaufdieÄrzteGeschichten oder Krankheitsverläufe eines Sohnes des Cousins eines Kursteilnehmers das ganze Programm durchkreuzen.

Mein aufkeimendes Gruppengefühl erreicht beim Mittagessen seinen Höhepunkt. Im Gänsemarsch laufen wir am Buffet vorbei, mit dem mittelgrossen Teller in der Hand, das hat man uns gesagt. Nur einmal darf man zum Buffet, auch das hat man uns gesagt. Wo ich die Salatsauce schöpfe und sehe, wie sie sich mit dem Gulasch vermischt, denke ich an die bezahlte Verpflegungspauschale. In der Kneipe nebenan hätte ich dafür alles schön der Reihe nach gehabt, das Wasser und den Kaffee dazu.

Aber anständige Menschen reklamieren nicht, wenn’s zu essen gibt.

Sie lehnen auch nicht ab, wenn sie später teil- oder splitterfasernackt – «es geht besser, wenn da nix im Weg ist» –  auf die Therapieliege zitiert werden: «Na geh, wir sind ja unter uns.»

Wenn du Pech hast, richten sich 30 Augenpaare auf dich und wenn nach einer langen Ewigkeit alle die Pigmentierung deiner Brustwarzen kennen, meint der Referent; «so, dann wollen wir dich mal nicht länger quälen!»

Nachdem die stets betonte Intimsphäre jetzt eh durchbrochen ist, spielt das mit dem Datenschutz auch keine Rolle mehr. Ordentlich wird die Teilnehmerliste verteilt. Wo ich grade daran denke, wie oft diese für Werbung oder Newsletterversand zweckentfremdet wird, meldet sich mein schlechtes Gewissen. Ich hab das früher selbst ein paar Mal gemacht. Für Seminare. Ich bin nicht stolz darauf.

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Man möge mir meine etwas überzeichnete Ausführung dieses Puzzles von Anekdoten verzeihen. Die Bezeichnung “Referent” ist natürlich geschlechtsneutral zu verstehen.

Ich lobe alle Anbieter, die gut strukturierte Seminare organisieren. Ich mag ein zügiges Tempo und Referenten, die mir kompetent ihr Fachwissen um die Ohren klatschen. Ich lerne gern von praxiserfahrenen Therapeuten. Das ist jedesmal, wie wenn ich zum Medizinmann ins Zelt eintrete! Ich bin auch lieber mal überfordert, als unterfordert.

Und nein, ich habe keine falschen Erwartungen an Weiterbildungsseminare. Sie sind dafür gedacht, das gewisses Basiswissen vorausgesetzt wird. In Theorie und Praxis.

Wie geht es Ihnen dabei? Gehören Sie auch zu den älteren Hasen und sind bezüglich Weiterbildung etwas kritisch oder anspruchsvoll geworden?

7 Kommentare fuer “SELBSTSTÄNDIGKEIT: Was mich an Weiterbildungen echt nervt!

  1. Ich glaube einen English Kurs würde dir gefallen. Kein schlappes getue sondern nur English reden in der klasse.. Da kommt die langeweile nicht schnell.. :)

  2. Liebe Maria,
    du bringst es wie immer auf den Punkt…sprichst mir direkt aus dem Herzen….
    Ich finde das super, dass du solche Themen aufgreifst…frage mich nur warum soviele schlechte Seminaranbieter auf dem Markt sind…womöglich haben sie es einfach nicht nötig sich zu Bemühen.. :-)…
    Am meisten stört mich das Wichtiggetue der Mitkursteilnehmer…jeder ist besser und kann noch mehr…..

    Grüsslis Daniela

    • Danke dir für deinen Beitrag Daniela. Es gibt sie schon, die Perlen unter den …, aber das Problem ist wohl, wo viele etwas brauchen (Weiterbildungszwang), tummeln sich auch viele Anbieter. ich wünsch dir ein schönes Wochenende.

  3. Endlich bin ich nicht alleine….wie oft dachte ich schon, dass ich wohl ein wenig ungeduldig bin und die Kurse nun mal diesen Ablauf bzw. diese Langsamkeit beinhalten!!! Was in einem Wochenende geboten wird, ist in den meisten Fällen in max. einem Tag machbar. Erstaunlich, dass nicht mehr ausrufen, sondern den Kursleiter noch unterstützen und alles so toll finden!! Es gibt wohl Ausnahmen, zweimal war ich in Kursen, in welchem das Niveau so hochgeschraubt war, dass ich Mühe hatte mitzuhalten.
    Tat gut mal auszurufen! Danke :)

  4. wie man sieht, bin ich ein wenig spät mit meiner Ansicht, aber ich habe diese realistische Schilderung erst jetzt gelesen. Auch meine Ungeduld wird häufig auf eine harte Probe gestellt in den Weiterbildungen.
    Genau wie Mireille werde ich auch lieber über-als unterfordert. Die Hirnzellen möchten ja auch gerne Nahrung.
    Man könnte gut ruhig, sachlich und zielorientiert arbeiten. Und dazu kommt, dass man ja nicht zuviele Tage hat im Leben. Das zu Lernende hätte wirklich in kürzerer Zeit auch deluxe Platz.
    Die Lösung habe ich aber noch nicht gefunden, denn die Weiterbildungen muss man ja einfach absolvieren und immer bleibt die Hoffnung, dass es diesmal besser ist……
    Ach, nun habe ich auch einmal ausgerufen und alles fühlt sich leichter an.

    Esther Müller

  5. @mireille. Es ist mir tatsächlich auch öfters ein Rätsel, weshalb kaum jemand reagiert. Und wie du sagst, einiges auch nicht hinterfragen.

    @ esther. Kein Kommentar ist hier zu spät. “…immer bleibt die Hoffnung, dass es diesmal besser ist……”, ;-)))) wie wahr!

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