SCHREIBEN: immer dieselben Floskeln!

Sprachliche Klischees und gedankenlos übernommene Floskeln sind Gift für Ihre Texte.

Weshalb das jetzt?

Es fällt mir zunehmend auf; Texte auf Websites sind häufig überladen mit denselben Begriffen und Floskeln. Das sind Slogans wie; “Lassen Sie sich verwöhnen!” mit denen potentielle Kunden angesprochen werden.

Wohltuend, regenerierend, entspannend, aufbauend, Wohlbefinden, Körper-Geist-Seele, innere Balance, individuell, ganzheitlich … , Begriffe dieser Art sättigen die Texte. Meist so sehr, dass sie beim Lesen gar nicht mehr hängen bleiben.

Was sagen diese Worte wirklich über Ihre Dienstleistung aus?

Dazu ein paar Überlegungen:

Ist es ausschliesslich das, was Sie tun? Wohlbefinden schenken? Hinter Ihrer Dienstleistung steckt viel mehr! Beschreiben Sie Ihre Arbeit nicht mit Verallgemeinerungen, werden Sie konkreter. Hier können Sie punkten, hier können Sie sich von anderen abheben.

Ein potentieller Kunde möchte einen Nutzen aus seinem Besuch bei Ihnen (Entspannen kann man sich auch im Liegestuhl, einem Tratsch mit der Freundin, beim Lesen, Musikhören, bei einem Spaziergang … ).

Aber erstmal kontrollieren Sie ihre Webssite auf folgende Punkte:

Der Wiederholungseffekt:

Wiederholen sich bestimmte Begriffe auf ihrer Website? Wenn der Besucher mehrere Seiten durchklickt, fällt das besonders auf. z.B. “Entspannen, Interesse, unverbindlich”.

Die konkrete (re) Wortwahl

Methoden und Anwendungen lassen sich nahezu immer treffender beschreiben. z.B. “entspannende Massage”

Der Wiederkäuereffekt

Viele dieser Begriffe oder ganze Sätze, sind inzwischen abgegriffen und auch austauschbar, das heisst, sie könnten auch an einem anderen Ort, bei einer anderen Branche, stehen. Dadurch verlieren sie ihren Effekt. (Was denken Sie, wenn beim Bäcker diese Tafel vor der Tür steht?: “Schön, dass sie bei uns einkaufen.” Was erreicht bei Ihnen folgender Satz?: “Gönnen Sie sich eine Auszeit”)

Durchforsten Sie ihre Texte

Nun mein ich nicht, dass Sie ihre Website oder Flyer komplett auf den Kopf stellen. Man muss sich nur ein paar Gedanken dazu machen und kurz die Texte durchgucken.

Punkt 1: Sprechen Sie in Ihren Texten konkret an, was und wovon der Kunde profitiert.

Nehmen Sie Formulierungen, bei denen der Leser innehält. Nicht Worte die mangelnds Besserem als Füllwörter gebraucht werden und viel zu breit gefasst sind. Sie können alles Mögliche sein – und für jeden etwas Anderes beinhalten.

Setzen Sie verallgemeinernde Begriffe sparsam ein. Sowohl in Anwendungsbeschreibungen, wie auch als Titel, Überschriften und Slogans.

Schauen Sie nicht nur, welche Wörter ausgewählt werden. Sondern auch über den Nutzen, den der Text transportiert. Jeder Text, der so entsteht, sogar einer, der etwas holpert, ist besser als eine aalglatte Floskel.

Punkt 2: Ändern Sie Worte oder Textteile, die nicht wirklich viel sagen.

Das erfordert ein bisschen Arbeit, das ist schon so. Aber es lohnt sich. Insbesondere Anwendungsbeschreibungen profitieren von einer treffenden und gehaltvollen Wortwahl. Beschreibende Adjektive und Verben sind wichtig, der Text wirkt sonst gestelzt, zuviel Fachjargon. Schreiben Sie, wie Sie sprechen!

Beispiel: … damit erreichen wir eine stark durchblutende Wirkung, welche verhärtete Stellen in der Muskulatur löst.”

ist besser als: … erhöht die Durchblutung und löst muskuläre Verspannungen”

Suchen Sie nach Wörter, die zu grob gefasst sind. Diese Worte ersetzen Sie mit einem treffenden Synonym:

Unser Beispiel: entspannen, Entspannung,

“Neben der entspannenden Wirkung …”

alternativ: “Neben der lindernden, beruhigenden, entkrampfenden, reinigenden, durchblutenden … Wirkung”.

oder: “Von Kopf bis Fuss entspannen”

alternativ: “Von Kopf bis Fuss verschnaufen, ausruhen, abschalten, hängenlassen, Urlaub nehmen, ausspannen, erfrischen, verweilen ….!”

Schauen Sie nur, wieviele Synonyme das Wort ENTSPANNEN bietet: Synonym Lexikon – Woxikon

Punkt 3: Lassen Sie einzelne Floskeln ganz weg.

Das kann man recht häufig, ohne dass der Text leidet. Besonders dann, wenn sie als schlagende Sätze frei stehen. Zum Beispiel in Form eines Slogan. Sie werden verwundert feststellen, dass sie nicht wirklich fehlen.

“Schenken Sie Erholung und Wohlbefinden”. (Bei Gutscheinen)

“Lassen Sie sich verwöhnen!”

“gönnen Sie sich eine wohltuende Massage!”

Punkt 4: Lassen Sie sich etwas einfallen. Weg mit dem Einheitsbrei!

Weshalb stellt sich die Heilkunde immer so seicht und sanft vor? Also meine Wenigkeit flippt dabei nicht aus – beziehungsweise, wird deswegen nicht Kundin.

Ich liebe Humor und Originalität. Das braucht manchmal etwas mehr Mut. Doch dabei kommt (entgegen der üblichen sprachlichen Klischees) Ihre Person mit rüber. Ihr Angebot und Sie werden wahrgenommen. Ausschliesslich wegen der “Oase der Ruhe im stressigen Alltag” kommt man nicht zu Ihnen. Sorry, aber das findet man auch anderswo.

Weshalb nicht mal anders?

“Auch wenn Sie sich fit fühlen – man kann es trotzdem tun”

“Massage schenken – keine neue Idee, aber eine, die etwas nützt!”

oder wir packen unsere eigenen Klischees beim Schwanz?

“Sie wollen sich entspannen und wohlfühlen? Das ist kostenlos, wir bieten mehr!”

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Lesen Sie dazu auch den Artikel: machen Sie keine leeren Versprechungen


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