ENTSCHEIDUNGEN treffen (Teil 3): meistens wüssten wir schon, was wir zu tun hätten.

The Goldfish and the labyrinthNiemand mag es, zu einer Entscheidungen gedrängt zu werden. Doch wir brauchen gar niemanden dazu:

Wir drängen uns schon selbst oft genug. Weil wir es nämlich wüssten! Das führt dazu, dass wir uns klein halten und unser Selbstbewusstsein unter seinen Möglichkeiten bleibt:

“Das kann ich nicht.”

Was hindert uns daran, Nägel mit Köpfen zu machen?

Wir lassen es oft lieber so laufen wie es ist, anstatt aktiv etwas daran zu ändern. Ich könnte jetzt sagen: «Wir klemmen gerne»

Heute mache ich den Versuch, ein paar Entscheidungsblocker aufzuspüren. Dabei habe ich die Glaubensätze weggelassen. «Ich bin zu alt, zu jung, das kann nicht, ich bin zu wenig selbstbewusst … .» Einerseits, weil Glaubensätze ein unerschöpfliches Thema sind, andererseits, weil ich jetzt spontan davon ausgehe, dass Sie diese bereits ausgemistet haben.

Es gibt noch anderes, packen wir es am Schwanz:

Die Ambivalenzen

Unter Ambivalenz (lat. ambo „beide“ und valere „gelten“) wird das Nebeneinander von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und Wünschen verstanden. (Wikipedia)

Wenn Gefühle, Werte und Wünsche nicht auf einen Nenner kommen, fällt keine Entscheidung. Das kann ewig so dauern. IMMER gibt es ein entweder-oder. So einfach ist das.

Sie können eine Liste anlegen, rechts die Vorteile, links die Nachteile. Dabei denken Sie nicht nur vernünftige Argumente, sondern auch an Gefühle. Sie können diese Liste immer wieder anschauen, ergänzen, hin und her schieben. Nie kommen Sie auf einen Nenner.

Ist diese Diskrepanz gross und auch häufig, kostet dieses innere Kräftemessen viel Kraft. Eine starke Zerissenheit führt nicht nur zu null Entscheidungen, sie ist auch ein richtiger Energieräuber, der krank macht.

Es macht mich hilflos, wenn meine Patienten sagen: «Man kann ja nicht alles haben!»

Das sagen sie aber bei den unglaublichsten Dingen … . Alle Bescheidenheit in Ehren, aber es ist eine Blockade, weil sie/er glaubt, dass zwei (vermeintlich) gegensätzliche Dinge jetzt nicht vereinbar wären. Sind sie das wirklich nicht?

Dann frage ich: «Schupsen Sie Ihr Vorstellungsvermögen. Schliesst das Eine, das Andere wirklich aus? Sind sie da ganz sicher?»

Öffnen Sie sich für ein Sowohl als Auch, einfach mal in Gedanken. Einfach so, ohne entschieden zu haben. Ohne, dass sie nur die kleinste Ahnung haben, wie sie es lösen würden. Lösungen tun sich auf, es schält sich heraus, wer weiss, da kommt ein Fünfer und Weggi-Geschenk?

Wenn das (zum aktuellen Zeitpunkt) unmöglich ist, (so kann die Mutter von 5 kleinen Kindern wahrscheinlich jetzt nicht segeln lernen), so dürfen wir niemals unsere Träume ad acda legen. Wir können immer wieder prüfen, ob diese Gegensätzlichkeiten wirklich so gegensätzlich sind.

der Verlust

Sie lassen ihr Haus los, wenn sie zügeln, ihre geschätzten Kollegen, wenn Sie den Job wechseln. Verlust wird verschieden empfunden und ist trotz neuen Chancen, die eine Entscheidung bringen könnte, sind diese Gedanken ein Rettungsseil, dass niemand gerne loslässt.

Aber wir wissen, dass es falsch ist,  nur diesen Verlust zu sehen und an Dingen festzuhalten, die einem lieb und angenehm waren. Zudem neigen wir dazu, diese Wert gerade dann zu idealisieren, wenn es gilt, sie (in dieser Form) loszulassen.

Die Verlustangst: «Lieben mich die Menschen noch, wenn ich diese ehrenamtliche Arbeit nicht mehr ausführe? Klingelt es dann noch an meiner Haustür? Es wird Leute geben, die laden mich nicht mehr ein oder distanzieren sich von mir!»

Materielle Verluste, wie weniger Einkommen, erfordern Mut für freiwillige Veränderungen. Oder wer verliert schon gerne Annehmlichkeiten? Die Frage ist aber vielmehr: Möchte ich die Sicherheit verlieren, die mir das Leben jetzt bietet?

Lesen Sie dazu auch: reine Spekulation. Die Gedanken anderer.

die Bequemlichkeit

Möglicherweise rollen Sie jetzt mit den Augen; «Oh, diese Leier auch noch! Das musste ja noch kommen!»

Tatsächlich ist es einer der häufigsten Gründe, weshalb Entscheidungen nicht umgesetzt werden. Wer verändert schon, wenn der IST-Zustand doch gar nicht so schlimm ist? Wenn es ertragbar ist und das Leiden sich in Grenzen hält?

Viele Menschen ändern erst, wenn es nicht mehr auszuhalten ist. So suchen Sie erst eine neue Arbeit, wenn Ihnen gekündigt wird. Werden dann aktiv, wenn Sie ganz klein gemacht, geviertelt und gewurstet werden oder wenn ihnen die Kohle oder die Geduld ausgeht. Manchmal auch erst, wenn der Körper nicht mehr mitmacht.

Bequemlichkeit ist menschlich. Wirklich, ich kann manche Sachen Monate vor mir herschieben und bin schlicht zu faul, um das endlich anzupacken.

Da kann man nur hoffen, dass unweigerlich der Moment kommt, wo es einem den Nuggi raushaut. Wut sei Dank, endlich geht’s vorwärts!

Lesen Sie dazu auch: Geben Sie ihren Entscheidungen ein Verfalldatum.

die triftigen Gründe

Man könnte es auch die mangelnde Notwendigkeit nennen.

Witzig ist, dass wir manche Entscheidung erst fällen, wenn sie sich durch triftige Gründe rechtfertigen lässt: «Klar, wenn dein Rücken das nicht mehr mitmacht, musst du diese Arbeit aufgeben.» Das versteht dann jeder.

Nicht nur contra, auch pro Entscheidung: «Für was soll ich diese Weiterbildung machen, wenn sie mir nachher nichts nützt?» – «Wieso soll ich Kundenpflege betreiben, wenn mein Laden läuft?»

Wer ändert schon aus heiter hellem Himmel heraus?

Muss man erst Krankheiten produzieren, um Entschlüsse im Leben zu fassen?

Oder sonstwo einen Notstand haben?

die Feigheit

«Vielleicht bin ich feige, ich kann mich einfach nicht dazu entschliessen. Wahrscheinlich ist es nicht das Richtige für mich!»

Es ist nicht Feigheit, es ist unsere Urangst vor Veränderung. Vorallem wenn wir selbst die Entschlüsse fassen müssen.

Niemand möchte fatale Fehler machen oder gar sein Lebensgrundlagen zerstören. Es ist ein Schutz um das, was uns (vermeintliche) Sicherheit bietet, zu bewahren. Wir reagieren und agieren instinktiv. Auch im Jahre 2012!

Unser Bedürfnis nach Sicherheit hat mit unserer Geschichte zu tun. Wir leben als Neandertaler mit unserer Familie in einer Höhle. Diese ist trocken und gross genug, sie droht nicht einzustürzen und in der Umgebung findet sich Pflanzen, Beeren, Holz und die Männer jagen reichlich Wild. Weshalb zum Kuckuk sollte man weiterziehen?In eine ungewisse Zukunft weiter bis zur nächsten Höhle, weshalb denn das?

Dieser ganz banale Vergleich erklärt unseren Überlebensinstinkt, und schützt uns davor, ins Ungewisse zu rennen.

Ich hoffe, keiner von uns verliert bei seinen Entscheidungen die nackten Lebensgrundlagen. (Im Bewusstsein aller jener auf dieser Welt, die leider  diese Bedingung nicht erfüllt bekommen und sie auch nicht selbst erarbeiten können.)

Auch wenn unsere Lebensbedingungen in vielen Fällen eine Änderung zulassen, die Urangst ist sofort da. Wie ein Notschalter der sofort Alarm schlägt:  “HALT – VORSICHT – ÜBERLEBEN!!”

Hier hilt nur:

Das Vertrauen

Wer kann sich schon 100% vertrauen. Sie? Ich?

Ich gäbe mir vielleicht 60%, bei gewissen Sachen vielleicht auch fast 90%. Es gibt Stimmungen da übertrifft es aber keine 20%.

Fragen tauchen auf:

Was passiert dann alles? Kann ich damit umgehen, werde ich das durchziehen? Oder werde ich schwach und kehre wieder dahin zurück, wo ich war?

Irgendwann im Leben kommt der Moment, da sollte man den Sprung ins Ungewisse wagen. Weil es so etwas wie Gewissheit überhaupt nicht gibt.

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