PFLANZENPORTRAIT: Avena sativa – der Hafer

Hafer (Avena sativa) ist ein Sommergetreide und wird im August geerntet. Als Nahrungmittel mit hochwertigen Inhaltsstoffen hat Hafer eine lange Geschichte und wurde immer schon als wichtiger Bestandteil der einfachen Ernährung betrachtet.

Dabei im Vordergrund steht die beachtliche Zusammensetzung an Mineralstoffen (v.a. Eisen) und Vitamine (B-Vitamine!)

In der Homöopathie ist Avena sativa ein Mittel bei grosser nervlicher Anspannung und Erschöpfungszuständen. In der Phytotherapie wird er für die gleichen Symptome verordnet. Allen voran bei Schlafstörungen.

Das Wesen von Avena ist in der therapeutischen Praxis nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Man kann sich dazu verleiten lassen, scheinbar zutreffendere Mittel zu wählen. Zum Beispiel Hypericum («da fehlt das Licht»), oder Lupulus («da fehlt die Fröhlichkeit»), dann auch Passiflora, die den Herzschmerz beruhigt oder Imperatoria, um das Selbstvertrauen zu stärken.

Da lob ich mir den Muskeltest. Und wenn Avena anzeigt, bin ich wieder einmal mehr erstaunt, wie präzise dieser ist.

So verhielt es sich bei einer therapeutischen Sitzung diese Woche;

Die junge Patientin war zum ersten Mal bei mir, wirkte müde und bedrückt, als läge eine riesige Last auf ihren Schultern. Sie erzählte mir, dass sie das Gefühl habe, seit einem Todesfall in der Familie vor 4 Jahren, „nicht mehr dieselbe Person“ zu sein. Sie könne kaum mehr unbeschwert und fröhlich sein, reagiere oft gereizt und sei unzufrieden mit sich. Ständig hätte sie etwas an sich auszusetzen.

Während dieser Zeit hatte sie zweimal den Arbeitsplatz gewechselt. Sie sagt: «Eigentlich gefällt mir mein Job. Aber ich mache Fehler, habe Aussetzer, bin nicht belastbar. Es ist nicht mehr wie früher. Was geht nur ab mit mir?»

Der Punkt ist, dass sie sich nie ganz von dieser seelischen Erschütterung erholt hatte. Die Umstände des Unfalltodes dieses nahestehenden jungen Menschen hatte sie aus dem Lebensrhythmus geworfen. Dazu kam, dass ihr Partner selbst trauerte und sie nicht so unterstützen konnte, wie sie es es sich gewünscht hätte. So hatte die junge Frau nie mehr richtig Tritt gefasst. Der Schock hatte sie unbarmherzig gepackt. Doch der Alltag ging weiter und hatte sie mitgerissen, ohne dass sie das Steuerrad wieder selbst übernehmen konnte.

Phytotherapeutisch gesehen, wäre hier vor Avena sativa die „Schockpflanze“ Geranium wichtig gewesen. Avena sativa ist keine Pflanze für die Lösung von Schock, sondern eher für die Folgen davon. Bei seelischer Erschütterung und Erschöpfung durch (aufeinanderfolgende) unverarbeitete Erlebnisse und die dazukommenden täglichen Belastungen. Auch zur Rekonvaleszenz nach Krankheiten.

Der Mensch wird von den Ereignissen überrollt, kann diese nicht mehr verarbeiten, ist irgendwann einfach erschöpft und überfordert. Wenn Schlafstörungen dazu kommen, gerät der Betroffene aus dem natürlichen Rhythmus. Kann sich das Seelengefäss nicht richtig erholen, bringt Avena sative den Menschen zurück ins Leben. (meist begleitend zu weiteren Therapieformen)

Avena gibt die Kraft zum ureigenen Rhythmus zurückzufinden und sein Leben wieder aktiv selbst in die Hand zu nehmen.

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Eine weitere, bewährte Anwendungsform ist Avena sativa-Urtinktur bei der Suchtbehandlung. Vorallem der Raucherentwöhnung.

Hafer ist ein stark basisches Nahrungsmittel. Essen Sie viel Haferflocken, Hafersuppe uam.

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