GEFUNDEN: langjährige Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmittel als Ursache von Demenz

Die Menschheit ist verrückt: Zuerst nehmen sie Medikamente um ihr Gehirn zu beruhigen.

Dann haben sie jahrelang ihr Gehirn so beruhigt, dass sie Demenz kriegen.

Und schliesslich nehmen sie Medikamente, um ihr Denkvermögen wieder anzuregen!

In etwa so, könnte man die Karriere der Benzodiazepine beschreiben. Den Arzneimittelwirkstoff von Schlaf – und Beruhigungsmitteln. («Heute zählen Benzodiazepinpräparate weltweit zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln.»)

Aber eigentlich geht es mir nicht um diesen Wirkstoff an sich, sondern um die öffentliche Aufklärung darüber, dass die langjährige Einnahme dieses Stoffes zu Demenz führen kann!

Was unser BAG (Bundesamt für Gesundheit) dazu sagt, habe ich nicht gefunden, oder sowas existiert nicht. Es wird auf die Kantone verwiesen, wo Aufklärung über Demenz den spezifischen Stellen überlassen wird. Das ergibt hunderte von Websites.

Kompliment an die deutschen Nachbarn. Da gibt es so eine Art „Information für den Bürger“.

Im Ratgeber des ¹“deutschen Bundesministerium für Gesundheit“ findet sich unter „was ist eine Demenzerkrankung (Seite 7), ein Absatz (Demenzerkrankungen können ….), der das Problem treffend anspricht.

Auf Seite 8 unter „Ursache von Demenz“ wird die Alzheimer-Erkrankungen (60%) und kreislaufbedingte Störungen (20%)  beschrieben. Alle anderen 20%-igen Gründe werden darunter verpackt aber nicht speziell erwähnt.

Zum Risikofaktors (Seite10) steht da weiter: «Hauptrisikofaktor für das Auftreten von Demenzerkrankungen ist das Alter.»

«am Besten gehst du einfach nicht das Risiko ein, alt zu werden!»

C’est tout! Für die Fragen des „Warum?“ und „Wieso“ hat das Bundesministerium 5 Seiten verwendet. Die restlichen 95 Seiten erklären Diagnose, Behandlung und Hilfe von Medizin und Sozialem. Die Seiten begleiten Schritt für Schritt. Gut geschrieben. Aber da fehlt was!

Der Schreibstil erinnert mich an die netten Flyer, die in Arztpraxen und Beratungsstellen aufliegen. Wobei man durchaus bemüht ist, alle Fragen zu beantworten und den steigenden Demenzstatistiken die Stirn zu bieten.

Parallel dazu steigt die Einnahme von Demenzmedikamenten. Demenzstationen schiessen aus dem Boden, Personal bildet sich in neuen Pflegemodellen weiter, TV und Presse lässt nichts aus, es reihen sich Spezialsendungen, Ratgeberstunden für Angehörige, öffentliche Vorträge, Erfahrungsberichte Betroffener … .

Eins weiss man bei all der Information ganz sicher: die Betreuung von Demenzkranken stellt eine grosse Herausforderung dar (unbestritten!). Man weiss aber auch, dass Hilfe da ist: Gesundheitswesen, Sozialwesen, Ausbildungswesen, Versicherungen und Pharmaindustrie.

Zurück zu den Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Hier überschlagen sich die Statistiken, also lassen wir das. Man kann es anschaulicher sagen: Ich wette mit ihnen drauf, dass in ihrem Dorf, ihrem Wohnquartier oder Strasse, in ihrem Familien – und Freundeskreis, jede fünfte bis sechste Person, Kinder ausgenommen, sporadisch bis regelmässig ein Medikament dieser Gruppe einnimmt! (furchtbarer Schlangensatz)

Meinen Sie, das ist zu hoch gegriffen?

Was mich ziemlich mehr interessieren würde, sind Studien darüber, wieviele Demenzpatienten vorher, 10, 20 Jahre lang Rohypnol, Dalmadorm, Diazepam oder Co. eingenommen haben? Oder wieviele Demenzkranke wegen einer anderen Grunderkrankung mit Medikamenten (egal welche) jahrelang vorher behandelt wurden. Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Schmerzmittel, ganze Bereich der Psychotherapie und andere mehr.

Demenz ist allgegenwärtig. Doch Quellen/Informationen, die konkret auf den langjährigen Medikamentenmissbrauch als (eine der möglichen) Ursache von Demenz hinweisen, findet man faktisch keine.

Bis auf diesen Artikel, den ich vor einigen Tagen in der Zeitung entdeckt habe:

Benzodiazepine in Beruhigungsmitteln und Schlafmitteln.

Was da passiert, zeigen folgende biochemischen Umstände: Benzodiazepine bewirken die Beruhigung im Gehirn. Sie unterstützen den körpereigenen Hemm-Mechanismen (GABA) in ihrer Wirkung. Der Körper hat selbst die Möglichkeit zu blocken und Entspannung herbeizuführen. Benzodiazepine vervielfachen diesen Effekt. Das Resultat ist sedierend, muskelentspannend, angstlösend und antiaggressiv.²

So weit so gut. Doch das Ganze kann in einem vernetzten System wie das unserer Zellen, nicht ohne Folge bleiben.

Das Gegenteil, die Anregung der Nervenreize wird durch den Stoff Acetylcholin übernommen. Wird nun Acetylcholin (und alles was damit zusammenhängt) über Jahre indirekt durch Benzodiazepine gebremst, vermindert sich die Produktion davon.

³«Als Folge der generellen Stimulierung der GABA-hemmenden Aktivität verursacht durch Benzodiazepine, ist die Freisetzung von exzitatorischen Neurotransmittern wie Noradrenalin, Serotonin, Acetylcholin und Dopamin vermindert. Diese exzitatorischen Neurotransmitter sind erforderlich für normale Aufmerksamkeit, für die Gedächtnisleistung, den Muskeltonus und die Koordination, für emotionale Reaktionen, für die Freisetzung von Hormonen aus endokrinen Drüsen, für die Herzfrequenz und den Blutdruck und eine Vielfalt anderer Funktionen, die alle durch Benzodiazepine beeinträchtigt werden können. Direkte und indirekte Wirkungen der Benzodiazepine sind verantwortlich für ihre bekannten Nebenwirkungen.»

Wir beruhigen über Jahre die Nervenzellen und lassen unser Hirn schlafen. Später wundern wir uns, dass dieses partout nicht mehr denken will.

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Linkempfehlungen:

¹ Ratgeber des Bundesministeriums für Gesundheit

² Benzodiazepine und Schlafmittel

³ Therapeutische Wirkung von Benzodiazepinen

Ursachen und Risikofaktoren

Leider habe ich bei meiner Recherche die besagte Studie und den Artikel in der „British medical journal“ nicht gefunden. Was an meinen Englischkenntnissen und an der Geduld liegt. Vielleicht haben Sie mehr Glück.

5 thoughts on “GEFUNDEN: langjährige Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmittel als Ursache von Demenz

    • Du bloggst zum Thema, das ist ja eine Entdeckung! Das werde ich mich noch genauer reinlesen. Und du hast die Studie gefunden! Schulterklopf, dank dir für die Mühe 😉 E Grüessli maria

  1. Liebe Maria auch dies ist ein sehr interessantes Thema. Danke dir. Wie immer sind deine Themen sehr spannen und informativ und deine Beschreibungen der verschiedenen Pflanzen kann ich jeweils kaum erwarten.

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