PFLANZENPORTRAIT: Wermut macht rundum wach!

Da der Wermut so nach “Wehmut oder Schwermut” tönt, fällt mir immer gleich sein Wesen ein. Oder das des Patienten, wie wir wollen.

Wenn der Geist abschweift und wehmütig in die Vergangenheit (Bachblüte Honeysuckle Nr.16) blickt oder verträumt in anderen Reichen weilt (Bachblüten Clematis Nr.9), dann macht der Wermut wach. «Er chlepft uf», wie wir in schweizerdeutsch sagen. Die Lebenskraft kehrt zurück!

Und mit der Lebenskraft auch die Verdauungsfunktion. Denn die ist dann auch ziemlich träge (atonische Verdauungsfunktion). Absinthium Tinktur ist ein Bittermittel das Galle und Magen aufweckt! Die Verdauungssäfte werden angeregt und es fliesst wieder aktive Kraft in die Verdauungsfunktionen.

Und damit auch aktive Lebenskraft in die Gefühlswelt. Statt nach innen gerichtete Bitterkeit, Traurigkeit oder Leere, beginnt der Mensch wieder teilzunehmen am aktiven Leben, wird wacher und tritt nach aussen, statt nach innen. Er nimmt wieder mit Interesse am Leben, am Mitmenschen und an der Welt teil.

Bittermittel gibt es viele – einige sind oft auch naheliegender. Aber die Unterschiede liegen eindeutig im Wesen des Patienten: der Enzian muss “Schweres” verarbeiten, Bilder, Erlebnisse und Eindrücke. Er ist sehr wach, ärgert sich häufig, versucht aber seine Bitterkeit zu unterdrücken. Die Artischocke liebt das ausschweifende Leben, habe dabei aber ständig ein schlechtes Gewissen und übt sich dann wieder in totaler Abstinenz. Das  Tausengüldenkraut hat hohe Ideale und braucht Harmonie. Alles was diese “Reinheit” zerstört, macht ihm zu schaffen. Typisch bei Absinthium ist diese Verträumtheit, er wirkt müde und abwesend.

Hat jemand lästige Blähungen und Sie empfinden gleichzeitig sein Wesen “als etwas weggetreten”, wenig präsent und aufmerksam, dann ist das ein Hinweis für ihre Mittelwahl.

Ich gehe manchmal hin, nehme nur 2-3 Tropfen der Tinktur. Die ist so bitter, dass sich alles in mir zusammenzieht aber ich fühle mich sofort wieder quickig. Es ist, wie wenn einem jemand einen Tritt in den Hintern verpasst! ;-)

Dieses typische verträumte Wesen kommt auch häufig bei Kindern vor. Diese haben wenig Appetit, das Bäuchlein tut weh bis sie endlich auf die Toilette können. Sofern Sie das bittere Mittel einnehmen mögen, ist Wermut ein toller Muntermacher. Passend bei Kindern sind aber auch die oben erwähnten Bachblüten. Sie haben einerseits mit wichtigen Entwicklungsschritten zu tun, andererseits mit dem Interesse am aktiven Leben.

Eine Stärke des Wermuts – dass ihn von anderen Bittermitteln abhebt – ist sein Einsatz bei Parasitenbefall. Die Darmmuskulatur wird derart angeregt, dass sie Würmer ausscheiden soll. Meine Erfahrungen sind hier gleich null, ich bitte Sie, damit jetzt keine Experimente zu machen, denn Wermut kann bei Überdosierung starke Krämpfe verursachen.

Das Gleiche gilt für die Gebärmuttermuskulatur. Wermut soll in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Eine grosse Geschichte hatte der Wermut im Mittelalter. Fast alles hat man damit “herausgetrieben” und Überdosierungen waren gar nicht so selten. Seine schnapsige Vergangenheit ist auch nicht ohne. Bei Künstlern und Intellektuellen war er so populär, dass ich darüber schmunzle und mich frage, welche Kunstwerke unter Absinthium- Einfluss zustande kamen (zum Beispiel der englische Autor Lewis Caroll und seine Alice im Wunderland).

Zitat Wikipedia: «Selbst in die Medizin ist der Name des Romans eingegangen: Das Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnet eine Erkrankung, bei der Patienten sich selbst oder ihre Umgebung in veränderter Weise, oft verkleinert oder vergrößert, wahrnehmen.»

2 Kommentare fuer “PFLANZENPORTRAIT: Wermut macht rundum wach!

  1. Hallo Frau Hug,

    ich finde Ihre Pflanzenportraits sehr bereichernd, Sie spüren dem Wesen der Pflanzenpersönlichkeit so nach, das gefällt mir!
    Speziell beim Wermut habe ich noch darauf gewartet, daß Sie die Unterschiede zu den andern Mitteln (Enzian etc.) im Vergleich schildern, wie Sie das auch bei Imperatoria und den andern Hustenmitteln so einleuchtend gemacht haben. Ist das jetzt gierig? Und geht es beim Wermut bzw. allen Portraitierten immer um die Urtinktur – und ist das dasselbe wie ein Pflanzenpreßsaft?
    Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen und grüße Sie herzlich aus einem fast schon frühlingshaften Hameln im Weserbergland!
    Claus Lindner

    • Grüezi Herr Lindner, nein Sie sind nicht gierig ;-))) Ich habe einen kurzen Vergleich der Leber-Verdauungspflanzen im Artikel ergänzt. Bei meinen Pflanzenportraits geht es mir nicht in erster Linie um die Verarbeitung oder Variante der möglichen Einnahmeformen oder therapeutische Empfehlungen. Jede Verarbeitung hat ihre Vorzüge, ob Tee, Tinktur, Presssaft oder andere mehr. Es geht mir um das Kennenlernen des Wesens, der Schwingung und ihre Bedeutung für unsere menschlichen Erfahrungen. Das ist auch so gemeint, wenn man nur neben die Pflanze hinstehen würde …Über die Unterschiede von Frischpflanzenpresssaft und Urtinkturen gibt es im Web sehr viele und informative Quellen. z.B. http://www.natur-forum.com/forum/viewtopic.php?f=26&t=18496&start=0, da wird das Thema im Forum sehr gut diskutiert. Ein wichtiger Unterschied ist auch die Konservierung. Die Haltbarmachng des naturtrüben Saftes erfolgt durch schonende Pasteurisation und wird innert kurzer Zeit verbraucht. Ur-Tinkturen werden mit Alkohol versetzt und 2-6 Wochen stehen gelassen. Aber beide werden aus frischen Pflanzenteilen hergestellt. einen Unterschied macht auch das Heilmittelgesetz. So sind Presssäfte bei uns auch als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. z.B. biotta – Säfte. Tinkturen unterliegen bei uns der Abgabekategorie D oder sogar C, also nur in Drogerien, Apotheken oder beim Therapeuten erhältlich.

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