EIGENE PRAXIS: Was gibt es zu tun auf dem 1. Podest?

Shoeless feet going upstairsJeder Selbstständige kennt diese Phasen; Wo er sich nicht sicher ist, wie es weitergehen soll.

Wo die Motivation fehlt und sogar ein vorübergehender Durchhänger langsam aber sicher zum chronischen Zustand wird. Wie soll es jetzt weitergehen, mag sich der eine oder andere fragen?

Ich glaube, falls es Ihnen auch so geht, dann stehen Sie auf dem ersten Podestchen.

Aber erst gehen wir nochmal einen Schritt zurück, die Treppe wieder runter. Es geht um die erste Zeit. Dann, wenn alles so gut begann;

Mit der Praxiseröffnung hat man alle Vorbereitungen getroffen und die ersten Hürden umschifft. Bald erntet man die ersten Radieschen seiner Bemühungen. Die Tage und Wochen der ersten Kunden, die Botschaft ist angekommen. Mit der Freude über all die tollen Feedbacks, wächst die Zuversicht.

Die erste Treppe

Mit der Selbstständigkeit ist es, wie wenn man eine Treppe hochgeht. Der Vergleich mit der Karriereleiter ist naheliegend, doch ich mein das anders: Es geht nicht um Beförderung, Titel und Verdienst, es geht mir vielmehr um die Wahrnehmung des Dings, das Sie ihre kleine Praxis nennen. 

Sie können jeden fragen, der diesen Weg hinter sich hat und heute von sich sagt, dass sich sein Geschäft etabliert hat. Man spürt es, wie sich das Geschäft entwickelt. Vielleicht an Äusserlichkeiten, weil darüber gesprochen wird und das zu Ihnen durchdringt? Oder den vermehrten Telefonanrufen von Anbietern von Printwerbung oder Büromaterial. Was auch immer, man nimmt es wahr, wie das eigene Geschäft Gestalt annimmt.  Es kommt immer wieder so ein Podestchen der Treppe, wo man kurz innehält, tief atmet und denkt: «Puah, ich glaub, jetzt habe ich einen bedeutenden Schritt geschafft!»

 

Das erste Podest

Die Stufen dieser ersten Treppen nimmt man noch voller Eifer und Enthusiasmus. Obwohl man sich auf jeder einzelnen Stufe orientieren musste, immer wissen, was man will und viele Dinge entscheiden. Doch getragen vom Schwung des Anfangs, nimmt man diese ersten Stufen noch voller Begeisterung. Man tut es ja für sich selbst, ist kreativ und blüht auf vor Ideen und Begeisterung.

Dann kommt das erste Podest – nach einem halben Jahr, nach einem Jahr, oder auch erst nach zwei  – aber es kommt. An tiefes Durchatmen ist noch nicht zu denken, so weit ist es noch nicht. Die Praxis ist noch weit davon entfernt, “sich selbst zu tragen”.

Da steht man jetzt und schaut sich um:

  • Ich habe für meinen Geschäftsauftritt alles erledigt. Was musste nicht alles umgesetzt werden, forderte Entscheidungen und verlangte die volle Aufmerksamkeit.

 

  • Die befürchteten Reaktionen sind nicht eingetreten. Im Gegenteil, die vielen unerwarteten  Feedback haben einem bestätigt, man fühlt sich unterstützt. Alles andere hat man vergessen.

 

  • Termine wurden gebucht, vielleicht nicht ganz so viele wie erwartet, oder nicht von denjenigen, wo erwartet, aber trotzdem ist es gut so. Und, je nach dem, wie Sie beschaffen sind, freuen Sie sich immer noch bei jeder neuen Anmeldungen wie ein Kind an Weihnachten.

 

  • Etwas Werbung hat man gemacht, die Ausgaben müssen für den Moment reichen.

 

  • Inzwischen hat sich ein Kreis von Kunden gebildet, real und gefühlt, wo man weitergereicht wird. Weiterempfehlungen geschehen zwar noch vereinzelt, aber immer öfter. Jetzt können Sie sich auf die Schulter klopfen!

 

  • In dieser Zeit bildet sich auch – je nach Methoden - eine Stammkundschaft.
    • Ein Angebot, dass den Kunden nahe liegt und zur regelmässigen Anwendung verlockt, sind ideale Startmethoden. Viele von uns haben mit Massage begonnen. Praxen bauen sich leicher auf Methoden auf, die für den Kunden in vernünftiger Reichweite liegen. Doch eigentlich gilt das für jede Branche; Wer sich für eine Spezialität entscheidet, sollte sich sicher sein, ob es diese spezifische Kundschaft auch gibt und wie er sie ansprechen kann.

Jetzt kommt man in die Phase vom Entgegennehmen; Anfragen, Anmeldungen, aber grundsätzlich ist alles getan. Die wissen, wo sie mich finden. Jetzt erwartet man auch, dass sich das selbst fortpflanzt.

Was aber, wenn die Kundenzahl nun zurück geht, wenn der Kreis noch zu klein ist, um darauf aufzubauen (und man aus den Köpfen der Leute verschwindet)? Es ist verständlich, dass viele Selbstständige dann in ein dunkles Loch von Selbstzweifeln fallen.

Was wollte ich damals? Wo möchte ich hin?

Viele Betreiber von Kleinpraxen bleiben sehr lange auf diesem ersten Podest. Manche nehmen die 2 Treppe nie unter die Füsse. Vielleicht auch, weil das nie ihr Ziel war und sie das von Anfang an nur nebenbei machen wollten? Weil auch ein Hauptberuf seine Aufmerksamkeit verlangt und die Zeit bekanntlich schnell verstreicht?

Das ist legitim, aber es kann gut passieren, dass die Praxis in einer Art Zwischenstadium verbleibt, sie wird weder Fisch no Vogel.

Was nun?

Einfach weitermachen. Die Schritte werden stiller, aber stetig. Man trampelt halt nicht mehr so wie auf der ersten Treppe. Da waren die Tritte sicherer. Schliesslich hatte man diese auch von langer Hand selbst vorbereitet. Noch ein Gedanke: waren nicht viele dieser Schritte auch stereotyp, also austauschbar, so wie es alle machen, so wie man es macht?

Jetzt, auf der zweiten Treppe werden die Schritte eigen, sie bekommen eine persönliche Note. (ist es das, was man fürchtet?)

Aber keine Bange, auch hier werden die Tritte sicherer. Nur anders, dezenter, stetiger, mit jener Art von Aufmerksamkeit, die eine Person ausstrahlt, die es einfach tut. Das spüren die Leute, man weiss es.

Auf dem ersten Podest gibt es diese 2 Fragen:

«Habe ich noch genügend Freude daran?«

«Welche Prioritäten möchte ich setzen?«

So gross sind diese Fragen doch nicht. Ich möchte sie ermuntern, hier und jetzt weiterzugehen. Die Dinge zu tun, die Praxis nicht treiben zu lassen. Hier zeigt sich, wie angefressen Sie sind.

Stehen denn die grossen Entscheidungen bereits vor der Tür? Haben Sie soviele Kunden, dass sie ihren Hauptberuf aufgeben müssten, falls es denn einen gibt? Gibt es organisatorische Probleme, mit der Familie, mit anderen Verpflichtungen?

Tauchen diese Fragen wirklich jetzt schon auf? Kommen die nicht eher erst auf dem nächsten Podest? Könnte es sein, dass Sie sich damit ziemlich blockieren?

Da muss ich doch gleich den Goethe zitieren:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

 

Kommentar verfassen