PERSÖNLICHKEIT: Empört euch!

Ursprünglich wollte ich ja eine ganz andere Fassung dieses Artikels veröffentlichen. Doch diese erste Version war eine richtige Tirade! Darüber, wie es mich empört. Manchmal. Und wie es mich empört, dass es soviele nicht empört.

Also hab ich mich anders besonnen. Ich werde den Knoten am anderen Ende auffädeln.

empoert_euchEs ist etwa 2 Jahre her, da wurde ich im Buchladen ein typisches Buchtitelopfer. Ich hatte es sofort in den Händen, und an der Kasse. Ein dünnes blaues Büchlein, mit dem Titel: „empört euch!“

Der Autor,

Vor einigen Wochen ist Stéphane Hessel gestorben. Zwei Jahre vor seinem Tod hat er dieses Büchlein herausgegeben.

Nun war Hessel nicht etwa ein Vollzeitquerulant – immerhin war er  Mitverfasser der Charta der Menschenrechte – sondern ein smarter Senior, der in seinem Leben alles Leid erlebt hat, das ein Mensch nicht ertragen kann. Er selbst sagte, die Empörung hätte ihm das Leben gerettet. Stephane Hessel – Nachruf

Hessel schrieb: „Die schlimmste aller Haltungen ist die Indifferenz, ist zu sagen ‚ich kann für nichts, ich wurschtel mich durch‘. Wenn ihr euch so verhaltet, verliert ihr eine der essenziellen Eigenschaften, die den Menschen ausmachen: die Fähigkeit, sich zu empören und das Engagement, das daraus folgt.“

Ich habe das Büchlein in einem Schnorz durchgelesen. Es ist eher ein „Aufsatz“. Ich habe nicht alles verstanden. Etwas viel alte und aktuelle Politik. Aber sein Botschaft ist klar.

Wir würden es alle unterschiedlich beschreiben: „Das persönliche Manifest der Empörung“.

Es ist für Hessel keine Floskel, wenn er sagt, dass sich die Kraft tief im Innern aufbaut. Die Kraft für Veränderung. Egal, ob das der einzelne ist, eine Gruppe oder das ganze Volk. Und dieser Keim sei die Empörung. (Wenn die Liebe im Miteinander eine Illusion bleibt.)

Stéphan Hessel war zweimal im KZ inhaftiert, er weiss, was passiert, wenn man anfängt, zu akzeptieren.

Empörung kann auch Entrüstung sein. «Das geht mir zu weit», es übertrifft bei weitem mein ethisches Empfinden. «Jetzt ist Schluss!», egal worüber und zu welchem Thema. Es empört mich, auch dann, wenn ich keineswegs selbst davon betroffen bin. Nein, soviel Vorstellungsvermögen braucht das nun wirklich nicht.

Noch schöner wäre es, es ginge mit mehr Gerechtigkeit, es reicht auch schon Fairness.

Mit mehr Freiheit, es reicht auch schon Toleranz.

Wir wüssten schon, wie Menschen miteinander leben könnten. Das alles wird nicht besser, wenn wir zu aktzeptieren beginnen.

Empörung ist ein Gefühl, keine Handlung. Das Gefühl darüber, wozu Menschen fähig sind. Und darüber, wozu sie nicht fähig sind.

Empörung ist die Feuerenergie, die aus Liebe handelt.

 Bildquelle und Kauftipp

 

 

 

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