PFLANZENPORTRAIT: Löwenzahn – wenn uns die Sturheit unbeweglich macht

Jetzt sind die Wiesen voll mit Löwenzahn. Diese vitale Pflanze, passt sich den unterschiedlichsten Bedingungen an. Sie wächst auf Brachflächen, Schutthalden und in Mauerritzen und mag es auch recht sauer (pH-Wert von 4,2 bis 8,3).

Ich hab mich schon gefragt, ob sie auch den Ph-Wert des Bodens in Ordnung bringt, denn alles an ihrem Wesen zeigt darauf hin: einerseits passt sie sich den schlechtesten Bedingungen an, ist aber auch kraftvoll genug, um die Dinge zum Besseren zu wandeln.

Der Löwenzahn repräsentiert diese Wandlungsfähigkeit am treffendsten von allen Leberpflanzen: die Leber, als erste Station der Umwandlung von chemischen Substanzen, die über die Pfortader vom Darm kommen, speichert und wandelt Stoffe oder scheidet aus, was nicht verwertbar ist.

beweglich bleiben für Veränderung

Die Verdauung ist die Wandlung oder Veränderung auf der seelischen Ebene. Was wir uns “einverleiben” muss verarbeitet und aussortiert werden. Das kann bedeuten, dass wir festgefahrene Ansichten immer wieder überdenken müssen, um nicht geistig zu erstarren.

„Unverrückbare Grundsätze sind wie Scheuklappen. Man sieht dann sehr wenig von der Wirklichkeit.“
Deng Xiaoping (1904-97), chines. Politiker

Haben wir nicht die nötige Kraft oder Wille unsere Überzeugungen zu erweitern und alte Vorstellungen loszulassen, können wir uns schlecht auf Veränderungen einlassen. Doch das Leben erfordert diese, von Zeit zu Zeit.

Wenn diese Kluft von Realität und starren Vorstellungen zu weit auseinanderdriftet, entstehen die Gefühle Ärger und Bitterkeit. Das typisch Gallenthema. Hier kommt Taraxacum mit seinen Bitterstoffen und lässt die Galle fliessen. Diese wiederum kann seine verdauungs – und stoffwechselaktive Aufgabe wieder übernehmen. Das bringt den nötigen Schwung in die etwas trägen Verdauungsfunktionen wie Völlegefühl, Verstopfung oder auch Appetitlosigkeit.

Das Lebermittel bei Gelenkproblemen

Deshalb ist es naheliegend, dass Taraxacum das Lebermittel bei Gelenkproblemen ist und/oder wenn eine Milieuveränderung der Zellen dringend nötig ist.

Etwas überzeichnet möchte ich dieses typtische “Patientenwesen” beschreiben:

Sie zählen zu den typischen “alles wird unter Rheuma verpackt” Patienten. Sie leiden an Muskel- und Gelenkproblemen (sich den Umständen beugen müssen, sich (aus)dehnen, Schritte tun, flexibel bleiben, sich Raum verschaffen etc).

Typisch ist auch der gut strukturierte Alltag wo Verpflichtungen im Vordergrund stehen. Die persönliche Regeln sind geprägt von typischen Klischees und ihre Wertvorstellungen spiegeln eine Gesellschaft, die “glaubt, zu wissen, was ein anständiges und vernünftiges Leben ist”. Hier wird sich keinesfalls ausgeklinkt, nein gesagt, pfeiff drauf! Nein, da ist es besser, wenn man nicht aus dem bewährten Rahmen rausfällt und sich gar selbst entwickelt.

„Das Leben ist wie eine Pusteblume. Wenn die Zeit gekommen ist, muss jeder selber fliegen“
Verfasser unbekannt

In diesen erstarrten Strukturen lassen sie sich kaum aus ihrem Trott bringen und sind oft intolerant und wertend gegenüber anderen Betrachtungen und Lebensweisen. Bewegungen tun weh, wenn der Geist nicht beweglich bleibt, der Körper erstarrt, wenn Sturheit hart macht.

bringt Schwung in das Gewebe

Taraxacum ist in diesem Zusammenhang ein wunderbares Begleitmittel um das Gewebemilieu zu regulieren. Ist es frech, wenn ich sage, parallel zum weicher werden des Gewebes, wird auch der Geist etwas sanfter und flexibler?

Die Taraxacum Urtinktur eignet sich zum Säure-Basen-Ausgleich, der Schwermetallausleitung, und, als Schlüsselstelle für die Wandlung von Stoffwechselprozessen, der Darmsanierung.

Wenn wir das mit anderen Lebermitteln vergleichen, gibt es eindeutige Unterschiede: es ist nicht dasselbe, wie bei Millefolium, das schlecht Prioritäten setzen kann und sich deshalb mit Entscheidungen schwer tut. Oder etwa Cynara (Artischoke), die gerne geniesst, auch gerne übertreibt, um sich  hinterher wieder zusammenzureissen und zu verzichten.

Anders ist auch:

die Wegwarte (Cichorium), dass etwas verträumt duch die Gegend läuft und die Zeichen des Augenblicks verpasst.

der gelbe Enzian (Gentiana), dem Ereignisse happig aufliegen, der empfindlich auch “schwerverdauliche” Lebensumstände reagiert.

oder der Wermut (Absinthium), der aufweckt, wenn die Kraft und Präsenz für die realen Anforderungen müde sind.

 

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2 Kommentare fuer “PFLANZENPORTRAIT: Löwenzahn – wenn uns die Sturheit unbeweglich macht

  1. meine Gedanken zum Löwenzahn sind, nur die harten kommen in den Garten, Platz da jetzt komme ich. Ein Spiegelbild der Gesellschaft. Unscheinbare schlichte, und kompliziertere Pflanzenarten werden unterdrückt, ebenso die Vielfältigkeit.Für mich ähnelt es dem Springkraut, was zwar die Ungeduld die Eile andeutet, aber ebenso nichts anderes neben sich Duldet.Auf den Weiden wendet sie niemals die Dinge zum Besseren, sondern zeigt die Monokultur. Wo viel Kraft ist, ist auch die gefahr der Zerstörung.Als Heilmittel habe ich die selbe Meinung.

  2. Einmal mehr möchte ich Ihnen danken. Ich liebe Ihre Beschreibungen und wünschte, es gäbe mehr davon. Die Beschreibungen haben mir schon so oft geholfen, die Eigenschaften, sagen wir Charaktere, und Wirkungen der verschiedenen Pflanzen zu betrachten und damit besser auszuwählen (Ceres/Urtinkturen). Ich kann nur immer wieder sagen: lieben, lieben Dank.

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