PFLANZENPORTRAIT: Johanniskraut – wenn die Nerven flattern

Die Wirksamkeit eines Heilpflanzenstoffes ist von der Dosierung abhängig. Je höher der chemische Anteil (der Wirkstoff) einer Pflanze, umso kleiner ist der Informationsanteil.

JohanniskrautDiese Information ist bei Hypericum die Lichtassimilation. Wobei der Wirkstoff Hypericin bei ungeschickter Dosierung relativ schnell in Wechselwirkungen mit anderen, vor allem synthetischen Arzneien tritt. Das heisst, wenn man gleichzeitig zu Johanniskraut Ovulationshemmer, Immunsuppressiva (nach Transplantationen), Digoxinpräparate oder blutverdünnende Mittel (Cumarin!) einnimmt, kann es die Wirkung dieser Medikamente verstärken.

Verstärkt sich mit Einnahme von Johanniskraut die bedrückte Stimmung, dann ist Johanniskraut zu hoch dosiert.

Die Dosierung machts aus

Wenn man dieses Detail mit der Dosierung beachtet, anfangs tief dosiert einsteigt, dann leicht erhöht und nach 2-3 Wochen eine Einnahmepause einlegt, ist der Wirkstoff Hypericin eines der natürlichsten und potentesten Stimmungsaufheller der Pflanzenheilkunde. Das hat auch die Pharmaindustrie entdeckt, die Johanniskrautpräparate ebenfalls in allen Varianten herstellt.

Ich finde den Einsatz von Johanniskraut sehr gut bei Spannungskopfschmerz, Wechseljahrs- und Wochenbettdepressionen. Oder zur Unterstützung bei Kindern mit ADS-Thematik (in Kombination mit Lavendel). Hier kann es Ritalin ersetzen oder, wenn das Medikament abgesetzt, sehr unterstützend sein.

Mehr Licht in die Nerven

Die um die Sommersonnenwende blühende Pflanze wird von jeher mit dem Licht in Verbindung gebracht. Es scheint als assimiliere sie das Licht und wandle es zur Nervenkraft.

Nicht jeder Mensch hat dasselbe starke Nervenkostüm. Doch im Wesen des Johanniskraut-Menschen fällt schon auf, dass viele davon zu wenig ans Licht gehen oder/und emotionale Verletzungen erlebt haben. Als Folge davon beginnen sie sich zurückzuziehen. Fremde Menschen, besonders Menschenansammlungen, ängstigen oder irritieren sie sehr. Sie bevorzugen es allein zu sein oder im kleinen Kreis mit Freunden, wo sie auch über ihre Stimmungen reden können.

Die Besorgten, die Denker und Träumernaturen

Wenn die Sonne scheint, lassen sie die Läden herunter oder ziehen den Vorhang. Nicht selten gehören Johanniskraut-Menschen auch zu den sogenannten Sonnenallergikern, kriegen schnell Kopfschmerzen oder die Haut reagiert überempfindlich. Mir scheint, dass die vieldiskutierte Photosensibilität bei Einnahme von Johanniskraut bei diesen Menschen sowieso schon besteht.

Johanniskraut-Kinder ziehen sich zurück und sind in sich gekehrt. Sie fühlen sich leicht gekränkt und wenn etwas von ihnen verlangt wird, sind sie schnell überfordert, handeln schusselig und fahrig.

Diese Kinder müssen raus an die Luft, an die Sonne!

Ich denke auch, dass die weit verbreitete Arbeit unter künstlichem Licht sicher nicht zu mehr Optimismus und sogenannt nervlicher Kraft führt. Alle diese Stresserkrankungen und Gemütsprobleme der heutigen Gesellschaft haben zweifellos viele Gründe, doch tragen solche Umstände ebenfalls dazu bei.

Hyperikumtinktur kann man auch äusserlich auftragen. Als Nervenmittel bei Schnittwunden und Verbrennungen. Eine gute Erfahrung machte ich letzthin bei Nervenschmerzen nach einer Wurzelbehandlung. Ich habe die Tinktur einfach auf das Zahnfleisch gerieben. Dasselbe kann man bei Fieberblattern (Herpes simplex, kombiniert mit Geranium) tun.

Geht es um eine grössere Fläche wie etwa bei Ischialgien, Gürtelrose oder auch Tennisellbogen, ist ein Öl idealer. Johanniskrautöl ist ja auch sehr leicht selbst herzustellen.  Andere lieben es für die Breussmassage oder generell als beruhigendes Massagemittel.

Interessant finde ich immer wieder die Tatsache, was passiert, wenn man ein GELBES Blütenblatt verreibt. Die Finger färben sich ROT! Es scheint, als zeige die Pflanze, dass die leuchtende Kraft der Sonne uns die bärenstarke Energie (Feuerkraft, rot) zurückbringt.

Entweder selber oder gar niemand

Das Johanniskraut gehört zu den bestens erforschten Heilpflanzen und hat eine sehr, sehr alte Tradition in der Heilkunde und Mythologie. Inzwischen macht sie auch Karriere in der Heilmittelgesetzgebung und ist unfreiwillig zum Medienstar geworden, wie Stevia, die Mariendistel oder Kava Kava.

Immer wieder dieser Hickhack, macht doch bis ihrs habt, denk ich mir dabei; zulassen, einschränken, verboten, doch wieder erlaubt, mit Abgabebewilligung, versteht sich.

Wir haben uns daran gewöhnt. Was aber nicht heisst, dass wir uns davon durcheinander bringen lassen, wenn es um derart wertvolle Schöpfungen der Natur geht.

 

 

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