DIES UND DAS: So ein verflixter Leerlauf!

Seit einigen Wochen spiele ich Badmington. Das Wettkampf-Spiel ist schnell, gewitzt und schweisstreibend. Und ich lache mich halb kaputt! Aber nicht immer:

Da gibt es eine Spielsituation, die mich erstaunt. Sie kommt relativ häufig vor, wie gesagt, das Ganze ist ein Spiel. Doch Sie wissen, ich kann aus einer ganz kleinen Beobachtungen einen richtig fetten Elefanten machen.;-)

Alle Spielfreudigen unter Ihnen wissen das; Da gibt es diese todsicheren Bälle, sie kommen perfekt geflogen, man zweifelt keinen Moment, man wird den Ball garantiert in einen treffsicheren Schuss verwandeln. Ein Kinderspiel!

Das Bild blitzt kurz auf – wie der Ball hinter dem gegnerischen Netz pfeilgerade auf den Boden knallt! In mir jubelts schon – toll, Punkt für uns!

Und dann, dann erwisch ich ihn nicht!!

Dabei hab ich ihn schon liegen sehen! Ich wette mit Ihnen, dass Sie sich genauso darüber aufregen.

Zu allem Elend, haut’s mir im Leerlauf fast die Schulter raus. Da kommt ein Ball so daher – und ich treffe nicht! Schande über mich!

Wo ich noch den Schläger ungespitzt in den Boden rammen möchte – ruft mir meine Spielpartnerin zu:

«Solche Bälle, die du schon liegen siehst, die triffst du nicht!» Sie muss es wissen. Schliesslich spielt sie schon seit 20 Jahren Badmington.

Das finde ich äusserst seltsam. Wieso klappt es ausgerechnet dann nicht, wenn man das Bild, das Resultat, bereits glasklar vor sich sieht?

Dies wiederspricht doch allen gängigen Lehren des Visualisierens. Da soll man ja gerade das Ziel vor Augen haben, als wäre es schon geschehen.

Ich spekuliere: Bei diesen langen Bällen entsteht ein kurzes Zeitfenster, während dem das Bild auftauchen kann. Der Schritt vorher – wie ich den Ball erwische – erscheint dann nur logisch.

Na denkste!

Kann es sein, dass man mit dem Zielbild schon mehrere Schritte zu weit ist? Verliert man dann die Aufmerksamkeit? Oder ist der Faktor Zeit kontraproduktiv? Ich glaube, man sollte nicht zuviel Zeit haben, um Entscheidungen zu treffen.

Im richtigen Leben sind reflexartige Entscheidungen verpönt. «So kurz entschlossen, das kann ja nicht gut kommen!» Wir haben gelernt, richtig ausführlich darüber nachzudenken, detaillierte Pläne zu machen und alles abzuklären. Oder eben; Mentaltechniken zur Zieldefinierung.

Durch zuviel nachdenken, grenzt man das Ziel ein. Nimmt ihm die Möglichkeit, noch viel mehr zu werden. Nur so ein Gedanke … .

Wenn man es einfach wie im Badmington tun würde? Direkt aus der Chance heraus über sich hinauswachsen, kraftvoll bündeln und ratzfatz die Dinge zum Volltreffer wandeln!

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5 thoughts on “DIES UND DAS: So ein verflixter Leerlauf!

  1. echt fein, wie du aus einer kleinen begebenheit eine philophische ableitung rauskriegst – kompliment…. das sagt dir „ein profi des spontanen schusses“

  2. ist genauso,probieren geht *dann und wann* über studieren. Man sagt doch auch öfter “ ich hätte reagieren müssen „, gell? Das Zielbild dauert ab und an zu lange….mir zu lange darum… Schuss!
    Grüessli vom Hoger

  3. Das ist eine gute Abhandlung. Nach langjähriger Erfahrung im Tennis, kann ich nur sagen, genau das passiert mir auch ab und zu wieder einmal. Man fühlt sich sooo sicher, den Ball genau dort zu platzieren wo man es im Auge hat. Man ist jedoch schon viel zu weit im Kopf und sieht den Ball nicht mer richtig an. Der Fokus hat sich verschoben. Das kann man auch auf alle Ziele übertragen, glaube ich. Im Grossen das Ziel im Auge behalten, aber jeden Schritt genau fokussieren. Ach, wenn es immer so einfach wäre…. Und die Geduld, die müsste man auch noch trainieren.
    Es ist immer spannend, im Alltag kleine philosophische Momente einzubauen. Vielen Dank für die immer interessanten Gedanken.
    Liebe Grüsse Esther

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