KUNDENKONTAKT: Geh voraus!

Sie machen einen guten Job und beherrschen Ihre Methoden. Einen anderen Punkt, den ich diesmal aufgreifen möchte, ist die Kommunikation:

Wie steht es mit dem kommunikativen Aspekt Ihrer Sitzungen?

Wie offen gehen Sie um mit Ihren Worten? Wagen Sie es auch gewisse Impulse zu geben?

Spiegeln sich in Ihren Äußerungen die eigenen Gedanken und innere Haltung?

Sprache ist die flüssige Substanz unseres Bewusstseins.

Diesen Satz habe ich mal irgendwo gelesen. Eine schöne Beschreibung vom inneren Denken und der äusseren Sprache.

Im richtigen Mass, ohne Mission, an passender Stelle.

Je nach Art Ihrer heiltätigen Arbeit haben Sie auch einen therapeutischen Auftrag. Will eine Therapie Fortschritte erzielen, kann man dem Patienten den Körper-Geist-Seele-Gedanken und (therapie)blockierende Themen nicht ersparen.

Was übrigens die Klienten auch nicht wollen. Nach meiner Erfahrung sind sie froh um Denkanstösse. Sie gehen gar davon aus, dass sie diese erhalten! Sonst würden sie keine ganzheitliche Therapieform aufsuchen.

Bei Dienstleistungen, die keinen medizinischen Anspruch stellen, mag das vielleicht anders sein. Aber Sie wissen, dass es auch dann Momente gibt, wo gewisse Worte angebracht sind. Bei regelmässiger Massage, Shiatsu oder Kosmetik entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis. Sie erfahren die Sorgen und Nöte, und werden nicht selten auch um Ihre Meinung gebeten. Eine ehrliche und konstruktive Meinung, die im schönsten Fall den Nebel lüftet.

… und dann das WIE

Es gibt Situationen, wo wir denken: „Ich hab da schon meine Ansicht, aber ob ich das jetzt wirklich so 1:1 sagen soll? Finde ich die richtigen Worte und wie beginne ich das Gespräch?“

Bin ich überhaupt dazu berechtigt? Steht mir das zu?

Diese oder ähnliche Sprachbarrieren sind oft unbegründet. Sie werden Ihre Kunden schon nicht massregeln. Sie werden auch den richtigen Zeitpunkt erwischen und ziemlich sicher auch die richtigen Worte.

Niemand ist so ungeschickt, dass er bei einem Rückenleiden sagt; «Ihr Ranzen muss weg!» Er sagt, «wir müssen die Bauchmuskulatur stärken», und erklärt auch gleich, wie man das tun kann. Wir sagen einer Frau mit Eheproblemen nicht: «Sie sind ja ganz schön abhängig von Ihrem Typen!» Hier wählen wir besser die Sparte: «Es ist Zeit ihre eigenen Bedürnisse wahrzunehmen!»

Die Frage nach den richtigen Worten ist aber auch eine Frage der eigenen Haltung. Und die muss jeder für sich beantworten. Mir jedenfalls franselt die Zunge aus, wenn ich die Statistenrolle übernehmen müsste: «Ja, das ist jetzt nicht so einfach. Sie haben aber auch wirklich dauernd Pech!»

Das sagt schon im privaten Umfeld des Betroffenen ziemlich sicher jeder. Es nützt dem Kunden in seinem Problem aber rein gar nichts (abgesehen davon, das es ihm etwas Trost gibt).

Ein Vertrauensverhältnis, wo so ein Problem oder eine Lebenssituation ehrlich betrachtet werden kann, bringt beiden Seiten mehr. Wir wollen ja weiterkommen, oder nicht?

Ich sag manchmal meinen Leuten mit einem Schmunzeln im Gesicht: «Wenn Sie mir nur das Herz ausschütten wollen, gehen wir besser Wein trinken!»

«Aber wissen Sie, das ist nicht so einfach!»

Eine  typische Reaktion vieler Patienten. Wie wahr! Es wäre aber auch als Therapeut viel einfacher, zustimmend zu nicken; «hmm …, ja, das ist nicht gut … sehr schwer ja, ohh.. das ist aber fies gelaufen.»

Die Wahrheit fordert heraus, braucht Kraft und Geschick. Doch wenn sich später der Nebel lüftet – was gibt es Schöneres in unserem Beruf ?

Und schlussendlich ist es nicht wirklich wichtig, welcher Impuls, welche Schwingung ihn angeschupst hat. Ob eine Methode, ein Heilmittel, der richtige Satz, was auch immer. Für mich ist wichtig, dass ich keine Facette ausgelassen habe. Wo ich es doch gespürt habe.

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